Archiv für den Monat: Mai 2011

Barrierefreie Internetseiten

Behinderte Menschen oder behindernde Internetseiten?

Grundsatz: Menschen sind nicht behindert, sie werden behindert (durch die Gesellschaft generell, aber auch z.B. durch Internetseiten, die Barrieren beinhalten).
Inklusion: Barrierefreiheit nicht zu einem “Problem” marginalisierter Menschen machen, sondern Anspruch an die eigene Umgebung stellen, alle Menschen einzuschließen.

Was hat das mit meinem Blog zu tun?

Das heißt für Menschen, die für Internetseiten verantwortlich sind: Bei barrierefreien Internetseiten geht es nicht darum, eine Art Sonderservice für einzelne Menschen anzubieten, sondern darum, sich für die Barrieren, die die eigene Webseite aufbaut, verantwortlich zu fühlen und sie abzubauen – das heißt, die eigene Beteiligung an einer Gesellschaft, die Menschen behindert, zu verringern.

Barrierefreiheit ist einfach und kompliziert

Schlechte Nachricht: Es gibt nicht “DAS” “Barrierefreiheits-Plugin”, das ich auf meine Seite hochlade und das alle Probleme für mich löst. Barrierefreiheit erfordert eher ein Umdenken, und sich auf verschiedene Bedürfnisse unterschiedlicher Menschen einstellen (Menschen mit eingeschränkter Seh- Hör- oder Bewegungsfähigkeit, Menschen, die zu epileptischen Anfällen neigen (blinkende/flackernde/sich schnell verändernde Bilder!), Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen, Eßstörungen (Triggerwarnungen!), …
Gute Nachricht: Vieles ist super einfach hinzubekommen und erfordert keinerlei zusätzlichen Programmierfähigkeiten oder obskures technisches Nischenwissen.

Zum Beispiel!

  • Anspruch auf Barrierefreiheit/Inklusion erkennbar kommunizieren, am Besten gleich von der Startseite direkt zugänglich. Kontaktmöglichkeit bieten für Probleme (aber nicht mit einem Kontaktformular “freikaufen” à la “Sagt, wenn was stört, ich achte ansonsten auf garnichts”!)
  • Übersichtlicher Seitenaufbau, direkt und unkompliziert zugängliche Inhalte
  • Für jedes Bild eine Bildunterschrift (und/oder alt-Text): Kein Roman, sondern eine Beschreibung der Dinge, die für Sehende zu sehen sind, besonders der Dinge, die für den (meistens Text-)Zusammenhang wichtig sind.
  • Daran denken, dass Text in Bildern oder Bildformaten (eingescannter Brief etc.) auch nicht gelesen werden kann, und Texte ebenfalls “von Hand” darunterschreiben.
  • Videos: Gesprochenes transkribieren (abschreiben), mit kurzer Beschreibung dessen, was zu sehen ist. (Zeitaufwändig! Suchen, ob schon ein Transcript existiert bzw. selbst geschriebenes Transcript anschließend an Videoautor_in bzw. andere Interessierte bekanntgeben)
  • Daran denken, dass nicht alle die gleichen technischen Mittel/ Internetverbindung zur Verfügung haben: Inhalt einfach gestalten, auch ohne Skripte, Bilder, Filme etc. sinnvoll les- bzw. hörbar.
  • Einfacher Test: Im Browser Javascript und Bilder deaktivieren. Funktioniert noch alles? Ja? Guter Anfang.

Inhalte können Respekt vermitteln oder Ausschluss von Menschen bewirken

  • Grundsatz behindertenfeindliche/ableistische Sprache: Die meisten negativen Begriffe/Schimpfwörter, die darauf abzielen, dass jemand oder etwas nicht irgendwelchen Vorstellungen von (körperlicher oder geistiger) “Normalität” oder “Intelligenz” entspricht, sind von Haus aus problematisch. Beispiele vom Gendercamp: “Sp*ck”, “behindert”, “blöd”/”dumm”/”idiotisch” als negative Begriffe. Beispiel aus dem Geek-Kontext: “lahm”/”lame” Das muss nicht sein. Die ganzen schönen Bemühungen zu Barrierefreiheit nutzen nichts, wenn der Inhalt ausschließend/ beleidigend ist.
  • Das gilt nicht nur für Sprache, sondern für Inhalte generell: Menschen mit Behinderungen im Inhalt mit bedenken (Ist meine Veranstaltung inklusiv? Bedenkt mein Text über Abtreibung, dass das Thema für Menschen mit Behinderungen eine ganz andere Problematik hat?)
  • Nicht davon ausgehen, dass Leser_innen nicht behindert sind.

Praktische Nebeneffekte

Die meisten Dinge, die Webseiten barrierefreier machen, sind auch ansonsten nützlich:

  • Klare, übersichtliche Gliederungen und einfach zugängliche Inhalte helfen allen
  • schnelle, flackernde Animationen können auch für Nicht-Epileptiker_innen störend oder beanspruchend sein, gerade bei Müdigkeit
  • Video-Transkriptionen helfen auch Menschen, die
    • keinen Ton an ihrem Rechner haben
    • das entsprechende Video in ihrem Land nicht angezeigt bekommen
    • die Sprache nur schlecht verstehen
    • gerade bei der Arbeit sitzen ;)
  • Bildunterschriften/alt-Texte klären, was Du von dem Bild willst und stellen Zusammenhang mit dem restlichen Inhalt her
  • Einfache Seiten sind auch für begrenzten Internetzugang besser, z.B. Smartphones
  • Für nicht behinderte Menschen: An andere Menschen als Dich selbst denken macht Dich spannender, sympathischer und Deine politischen Inhalte besser! Heh. Ernsthaft: Das Inklusionsprinzip, mit dem Du Dir hier Mühe gibst, lässt sich in allen Bereichen anwenden.

 

Nützliche Links

Englisch:
FWD/Forward: I want to develop a more accessible website. What do I do? Prima Linksammlung zu Barrierefreiheit auf Internetseiten
FWD/Forward: Ableist Word Profile: Sammlung problematischer Begriffe
via FWD/Forward:
Designing an Accessible Site Without Losing Your Mind Super einfache Übersicht zu Grundlagen von Barrierefreiheit
WebAIM Spaßige Testseite: eigene URL eingeben und staunen.
Deutsch:
Einfach für Alle von Aktion Mensch. Ziiemlich viel ziiiemlich technischer Kram, aber dafür haufenweise echt gute Information.

Religion vs. Spiritualität vs. genderqueer

Sonntag, 15.5.2011
ca.11:15 -ca. 12:10

Motivationen & Hintergründe
(für die Auseinandersetzung mit Religion und Spiritualität, für das Interesse an der Sitzung)

  • Überschneidungen Mittelalter/Heidentum & konservatives Menschenbild
  • Feindseligkeit in queeren Zusammenhägen gegen Esoterisches, Kritikwürdiges (z.B. Vorstellungen von Natürlichkeite) in Esoterik – wie kann mensch damit umgehen (wenn mensch an beidem interessiert ist)?
  • Religion = prägend, extrem lange Geschichte
  • “ich will wissen, was es ist, ich muß es nicht unbedingt glauben”
  • “Hippie”-Lebensgefühl und Beschäftigung mit Reggae, Ernüchterung beim genaueren Anschauen der Inhalte
  • Bibelfest sein als Material zum Argumentieren gegen fundamentalistische Christen
  • “was gibt es noch?”
  • “Religion/religiöses Verhalten gehört [in der Mehrheitskultur] dazu, aber man nimmt es nicht wirklich ernst”
  • Öko & differenzfeministische Spiritualität verträgt sich gut; dualistisches Konzept, das aber recht vage ist
  • Bibel in gerechter Sprache & feministische Theologie
  • Teilnehmer_innen haben sehr unterschiedliche Sozialisationen in puncto Religion & Spiritualität: kirchlich aufgewachsen, sozialistische Erziehung, “Hippie”-Elternhaus

Aufgeworfene Fragen

  • z.B. Beispiel: Oshos (http://de.wikipedia.org/wiki/Osho) Ideal von “being beyond sex” kann als Überwindung von Normierungen verstanden werden – wird aber von Anhänger_innen vollkommen anders praktiziert
  • gibt es eigentlich Formen von Spiritualität, die nicht binär operieren?
  • Ein_e Teilnehmer_in kommt nächstes Jahr wieder und bringt Antje Schrupp mit, dann gibt es evtl. eine Session über feministische Theologie

hatr.org I

Gendercamp Hüll, 13. bis 15. Mai 2011
Session hatr.org I
Samstag, 14. Mai, ca.12:15-ca. 13:15

was ist Hatr?
Entstand nach dem Vorbild eines amerikanischen Blogs; Ziel: “monetize the hate”
wer macht mit: queer-feministische Blogs, antirassisstische Blogs, ein Wissenschaftsblog
wie funktioniert es : Bookmarklet für blogspot, Formular, WP-Plugin
Eingereichte Kommentare werden vom Hatr-Team vor der VÖ bearbeitet (z.b. klarnamen entfernt)
Fragen (werden teilweise erst am Sonntag bearbeitet):

  • Kriterien der redaktionellen Bearbeitung?
  • wer entscheidet, wo das Geld hingeht?
  • Wie reagieren die Trolle?

Einstiegsfrage: Wie fühlt es sich an?
Die Heftigkeit der Trollerei ist belastend, auch wenn man nicht das eigentliche Opfer ist
großer Umfang, aber z.B. ein Stalker ist ein größeres Problem; hatr ist praktisch; Kommentare beantworten macht viel Arbeit, hatr ist toll, weil es den Müll aus dem Blog bringt und noch etwas damit angefangen werden kann.

Reaktionen
Die Reaktion hat die hatr-Initiator_innen überrascht; es gab großes Echo über Onlinemedien hinaus, auch in Holzmedien. Es steht die Frage im Raum: warum bekommt hatr Aufmerksamkeit, aber nicht das “eigentliche” feministische Bloggen?

  • hatr paßt in ein mediales Beutschema und ist einfacher zu vermitteln als z.B. feministische Blogprojekte
  • Onlinejournalist_innen kennen das Problem
  • man muß sich bei hatr nicht mit den Inhalten auseinandersetzen
  • daß die Kommentare bei hatr scheiße sind, ist konsensfähig
  • Wie können wir die Aufmerksamkeit von hatr.org auf die Blogs zurücklenken?
  • Warum sollte ich mir das eigentlich angucken?

Problem: Facepalmen – Hater entwickeln Ehrgeiz, möglichst viele Facepalms zu ernten
Wäre das in den Griff zu bekommen, indem gar keine Namen mehr veröffentlicht zu werden? Das würde den Kontext noch mehr wegnehmen und identitätsstiftende Wirkung sowie wieder
 - wird am Sonntag weiter diskutiert

Trollreaktionen

  • Trolle haben sehr schnell erwogen, rechtlich dagegen vorzugehen; erster Impuls bei Maskulisten war: rausfinden, wer dahinter steckt
  • Eskalation (wer steigt am höchsten im Hatr-Ranking)
  • Fall eines 14jährigen, der hatr kritisch erwähnt hat und auf einmal in einer Reihe mit Antifeministen/Maskulisten genannt
  • hatr ist ein “gutes Feindbild”, könnte damit Beschuß von maedchenmannschaft & Co. ablenken.
  • von Maskus erwogene Strategien: Totschweigen und ignorieren? Gegenprojekt starten?

“Wir haben da ein bißchen ins Bienennest gestochen”
Interessant, wem das zugeschrieben wird: geschlechtsspezifische Verortung; beteiligte Männer werden als “lila Pudel” identifiziert

Impressumsproblematik:
Impressumspflicht vs. Angst vor “Hausbesuchen”
Lösung: das ABC steht im Impressum

Wie explizit muß man sich mit “denen” auseinandersetzen?
In der Presse könnte es so wirken, als ginge es den Feministinnen darum, Antifeministen zu bekämpfen; es gerät damit ein wenig aus dem Blick, womit sich feministische Blogs eigentlich befassen, wo die eigentlichen Konfliktlinien sind.
Inwiefern sind die Kommentare die Spitze des Eisbergs und nicht der alltägliche Antifeminismus?
Das hatr-Team versucht Abwechslung hereinzubringen: ältere und neuere, längere und kürzere Posts; gefiltert wird nicht, sondern nur sortiert

Verlieren die Sachen ihre Brisanz, indem sie aus dem Kontext gerissen werden? Leidet unter hatr die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Kommentaren?

  • Die Option “inhaltliche Auseinandersetzung” ist ja weiterhin gegeben, aber es gibt Kommentare, die über die Schmerzgrenze gehen und wo mensch die inhaltliche Auseinandersetzung als zwecklos empfindet
  • In fast allen Kommentaren, die auf hatr landen, wird eine Hierarchie aufgemacht, Trolle stellen sich über die, die sie da kommentieren
  • hatr hat eine Rückwirkung auf das Diskussionsklima in den Blogs. Die üble Scheiße wird sichtbar, und man überlegt sich eher, wie überspitzt, sarkastisch und provokant Kommentare formuliert werden

Konversationshach

Das waren die Fragen der Kennenlernrunden am Freitag Abend:

Stellt euch vor und unterhaltet euch über …

* Was für politische Utopien habt ihr?
* Was macht ihr im Netz?* Wer seid ihr im Netz?
* In was für welchen sozialen Netzwerken seid ihr angemeldet und was nutzt ihr am liebsten?
* Wie seid ihr dazu gekommen, euch mit Genderdingsbums zu beschäftigen?* Wie seid ihr dazu gekommen, euch mit Netzdingsbums zu beschäftigen?
* Was habt ihr zum GenderCamp mitgebracht? (Gegenstände, Fragen, Ideen …)
* Was ist euer Lieblingskommunikationsweg? @-Reply, DM, eMail, Jabber, Brief, Telefon, F2F …

Dokumentation der Session über Sprachverwendung

Protokoll vom Gendercamp zur Session zu gendersensibler Sprache
(Anfang der Session fehlt im Protokoll)

* Sprache zwingt zum Einsortieren in binäre Geschlechterzuordnung m/f,
und das ist ein Problem.
* im deutschen stärker als im englischen. noch stärker z.b. im
spanischen (geschlecht der ersten und zweiten person)

Thema “Eine neue Grammatik muss her”

* Silvain-Konvention: ein 4. grammatikalisches Geschlecht, das keine
Aussagen über Geschlecht macht, wäre die coolste Lösung, doch schwer
etablieren und unter Umständen kompliziert
* Das wäre eine neue sprachliche Regelung, die alle Geschlechter meint.
Das sollte nicht heißen, Geschlecht nicht mehr zu benennen, sondern die
Breite abbilden.

Bisherige Ideen zur Umsetzung

* “-ninnen”
* Vorschlag von Sofia: Bei Substantiven Endung -a statt -er , kombiniert
mit Artikel “das” (das Busfahra, die Busfahras)
* Wer auf das Geschlecht hinweisen wollte müsste das explizit (und
außerhalb der Grammatik) mit Adjektiven (eventuell als Kurzformen) tun,
und sich so dem Zuordnungsprozess bewusster werden.
* geht nur bei Wörtern die ohnehin auf “-er” enden. Ansonsten: das Pirat?
* Kritische Anmerkung: -a ist klanglich sehr nahe an -er
* Ist aber auch näher an weiblichen Namen und Bezeichungen in anderen
Sprachen… Ausgleich?
* Ist das Neutrum abwertend/entmenschlichend? “das Kind”, “das Mädchen”.
* Adjektive müssten das auch widerspiegeln
* im Englischen: Spivak-Pronomen “ey” (statt “they”) für he_she und
“eir” (statt “their”) als Possessivpronomen
* Unterstrich, Binnen-I und Sternchen als Platzhalter (Busfahrer_innen,
BusfahrerInnen, Busfahrer_Innen, Busfahrer*innen)
* Sprache in einem Buch “Der Winterplanet” (“The Left Hand of Darkness”
auch: “Die linke Hand der Dunkelheit”) von Ursula K. Le Guin, “per” wird
dort für “er_sie” verwendet, “pers” für ihre_seine”
* Hörbare Gender Gap: einen sprachlichen Unterschied zw. Arbeiterinnen
und Arbeiter_innen (Das haben Anwesende auf dem Gendercamp neu kennen
gelernt und als erhellend empfunden.)
* Anmerkung: Alte Sexismen dürfen dabei nicht unter neuer Grammaik
“begraben” werden! Es kann sein, dass neue Begriffe über die Zeit auch
männlich verallgemeinert/vereinnahmt werden.
* Sexismen aus der Sprache herausreißen und aufpassen, dass keine neuen
wachsen.

Effekte von gendersensibler Sprache

* Einer Person hat das Sprechen der Gender Gap/das Ändern der
Sprechgewohnheit vergegenwärtigt, wie Sprache strukturiert ist. Und
explizit bewirkt, dass sie jetzt explizit “nicht nur Männer” denkt.
* Menschen können durch explizit andere Wortwahl sensibilisiert werden.
Wer eine verbesserte Sprache gleich lernen würde, würde vielleicht
reflektieren, wofür die Formen stehen.
* Weibliche und inklusive Formen können in einem sexistischen Kontext
auch negativ und disqualifizerend interpretiert werden. “Achtung, Frau
am Steuer.”

Fragen

* Was ist mit genderneutral oder -sensibel gemeint? Gibt es einen
Unterschied? (Studierende vs. Student_innen?) Also: Heißt “nicht
klassifizieren” gendersensibel zu sprechen? Oder macht eine “neutrale”
Wortwahl wie “Studierende” nicht sensibel sondern unsichtbar?
* Sind Anhängsel an Worte nicht doof? Sollte nicht “die allgemeine Form”
alle Geschlechter meinen? (Mit dieser Überlegung hat sich eine Person
entschieden, die gängige (männlich konnotierte) Form zu benutzen, auch
wenn sie eine andere/neue Form besser fände.)

Gemeinschaftspodcast heiter scheitern 31

Hier die Dokumentation zum Podcast. Es stellt sich heraus – es ist ein Podcast!

An dieser Stelle vielen vielen Dank an alle, die da waren und noch ein Extradank an die Technik!

Unser methodisches Fazit sagt übrigens: Das Fishbowl-Prinzip hat sich für unser Podcast-Format gelohnt, das hat Spaß gebracht.

Stößchen – der Scheiterhaufen

Diversität

Verständigung über Begriffe
Diversität (→ Vielfalt) / Homogenität (→ Einförmigkeit)

Stichworte zur Wahrnehmung von Homogenität beim Gendercamp

– alle (Anwesenden beim Workshop) sind weiß / identifizieren sich als weiß
- sprachliche Homogenität / kontrovers diskutiert, weil dem eine Wahrnehmung von Dominanz der akademischen Sprache gegenüber steht → möglicherweise beteiligen sich diejenigen, die die Sprache nicht verstehen oder beherrschen (oder das von sich denken) nicht / können sich nicht beteiligen → Sprachbarriere
- keine sichtbaren Behinderungen
Klassenzugehörigkeit: Bildungshintergrund, Mittelschicht
- deutschsprachig / Deutsch (hochdeutsch, kaum Dialekt) als Muttersprache [Exkurs zu Vor- und Nachteilen englischsprachiger Tagungen. Englische Sprache kann auch eine Barriere sein]
- Lebensalter zwischen Mitte 20 und Mitte 30 mit einigen (wenigen) Ausreißern nach unten und oben
- Normgewicht
- alle haben Internet, fast alle Twitter (Kommunikation über das Gendercamp, Bekanntmachung etc. ausschließlich über das Internet – erste ca. 25 Plätze innerhalb der ersten halben Stunde nach Bekanntgabe über Twitter ausverkauft! Erste 60 (reguläre) Plätze innerhalb eines Tages → Insider)
- alle verfügen über die Ressourcen (zeitlich / finanziell), dorthin zu fahren

Stichworte zu Wahrnehmung von Vielfalt beim Gendercamp

– verschiedene Herkunftsgruppen vertreten, z.B. grüne Jugend, CCC und andere
- Ernährungsstile vegan, vegetarisch, Fleisch essend

Zum Umgang mit Vielfalt und Einförmigkeit

– welche Einförmigkeit ist gewollt, welche unabsichtlich? Fällt sie mit gesellschaftlicher Diskriminierung zusammen?
- viele Attribute sind nicht sichtbar / nicht präsent, wenn sie nicht thematisiert werden
- was ist die Zielgruppe und was würde passieren, wenn ganz andere Menschen / unterschiedliche Menschen teilnehmen würden (→ Konflikte – positiv wie negativ – )
- Homogenität als Wohlfühlfaktor („sonst würde es krachen“)
- Schutzraum (“Blase”) für bestimmte Gruppen (?) und Personen (?)
- Das Gendercamp sagt von sich selbst nicht, „wir sind ein Haufen von weißen, gut ausgebildeten, zwischen so-und-so-alten, privilegierten Menschen“ → Selbstwahrnehmung? → Außendarstellung?
- Die Blase ist definiert, das wird aber nicht so gesagt/wahrgenommen! Außerdem: Bestimmte Gruppen würden zu weiß / deutsch / Netzkultur / (…) passen, sind aber dennoch nicht da → Beispiel Gehörlose … warum?
- Bei der Forderung nach Vielfalt geht es nicht darum, ein besseres Unterhaltungsprogramm für anwesende Schichten oder Gruppen durchzuführen, sondern um Repräsentanz/Vertretung und Partizipation/Teilhabe aller Gruppen, für die ein Thema wichtig ist.

Fazit

Ein Anspruch an z.B. eine antirassistische Gesellschaft ist, nicht ausschließlich Weiße zu fördern. Beim Gendercamp werden Privilegierte (auch staatlich) gefördert.

Rückblick Sonntag-Morgen-Plenum // Stragtegien in Gesprächsrunden und auf dem Camp allgemein

Sonntag 11:20-12:20

(Theaterraum, ca. 15 Personen; Protokoll: Steff / @tutnurso)

Vorgeschichte:

  • es
    wurde ein anonym verfasster Brief im Tagesplenum am Sonntag vom
    Orga-Team vorgelesen

  • im
    Brief wurde eine breite Kritik an das Gendercamp formuliert:
    Diskriminierungserfahrungen, Grenzüberschreitung, dominantes
    Redeverhalten, Unsicherheiten in Bezug auf Umgehen mit
    Wissensgefällen [Anmerkung von Steff: ich kann nicht für vollständige oder korrekte Wiedergabe des Briefinhaltes garantieren. Allein aus meinem Gedächtnis protokolliert. Gerne Wichtiges ergänzen!]

  • ohne
    Einzelfallbeschreibungen

  • es
    gab eine längere Diskussion im Plenum darüber

  • einige
    Reaktionen und Vorschläge, wie damit situativ und langfristig
    umgegangen werden kann (rote/gelbe Karte in Gruppengesprächen;
    Entlastung des Orga-Teams durch sichtbare Ansprechpartner_Innen,
    thematische Sessions, die die Problematiken aufgreifen). 

    Uneinigkeit
    darüber, was der Brief und die Diskussion für die verbleibenden
    Stunden des Gendercamps bedeuten kann

Inhalte der Session:

In Bezug auf den Brief und das Plenum

  • es
    gab keine Einzelfallbeschreibungen → hat Vorteile & Nachteile

  • Stragtegien
    für nächstes Jahr überlegen

  • Sprachbarrieren,
    die sowohl vom Brief, als auch vom Plenum nicht berücksichtigt
    wurden

  • dominantes
    Redeverhalten

Überlegung für Umgangsstrategien:

  • Sprachbarrieren: verständliche Formulierungen benutzen, wenn nicht klar ist, dass auf eine einigermaßen gleiche Wissensbasis zurückgegriffen werden kann

  • Konkretisieren. was meint eigentlich „dominantes Redeverhalten“

  • Liste
    mit wünschenswerten Verhaltensweisen (im Forum weiterenwickelten)

    → Wellness-Poster
    (im Plenum entwickeln? Erste Vorgaben, Veränderungen und
    Ergänzungen erwünscht)

    → Wellness-Wünsche:
    schon zur Anmeldung mitschicken und betonen, dass es kein starres
    Regelwerk ist

  • Einsteiger_Innen-Workshops
    für Themen (Gender, Queer, Technik, Web, ….) oder Schlagworte

  • Feedback-Praxen
    anbieten (sowohl für positives, als auch negatives Feedback)

  • differenzierterer
    Umgang mit Kritik: Wie(so) gerät kritisierende Person in
    (Selbst)Erklärungsnot? Wie kann mit dieser Erwartungshaltung
    umgegangen werden?

  • mit
    verschiedenen Sensibilisierungen* von Menschen umgehen (bzw.
    benennen, dass Menschen diesbezüglich unterschiedliche
    Voraussetzungen mitbringen)

  • bei
    Konflikten: zusätzliche Moderationsperson

  • Problemfeld,
    das austariert werden sollte:

    Regelwerk
    (auf Standards einigen → Nettiquette) vs. offenere Struktur (weil
    barcamp)


  • Personen-Info-Points
    / ErklärBär_Innen

  • Schutzraum
    / Ruhe- bzw. Rückzugsraum

  • in
    Gesprächsrunden → nicht-sprachliche Signale verwenden

    Körperzeichen
    bevorzugt, da vielschichtiger als rot-gelb-(grün?) Karten

Die Liste der Vorschläge und Ideen, an denen weitergearbeitet werden soll, auf dem beigelegten Foto.

Diese Liste wird nochmal verschriftlicht und (wie auch dieses Protokoll) auf die gendercamp.de-Seite für eine weitere Diskussion und Planung bereit gestellt.

Campwellness_ideen