Dokumentation der Session über Sprachverwendung

Protokoll vom Gendercamp zur Session zu gendersensibler Sprache
(Anfang der Session fehlt im Protokoll)

* Sprache zwingt zum Einsortieren in binäre Geschlechterzuordnung m/f,
und das ist ein Problem.
* im deutschen stärker als im englischen. noch stärker z.b. im
spanischen (geschlecht der ersten und zweiten person)

Thema “Eine neue Grammatik muss her”

* Silvain-Konvention: ein 4. grammatikalisches Geschlecht, das keine
Aussagen über Geschlecht macht, wäre die coolste Lösung, doch schwer
etablieren und unter Umständen kompliziert
* Das wäre eine neue sprachliche Regelung, die alle Geschlechter meint.
Das sollte nicht heißen, Geschlecht nicht mehr zu benennen, sondern die
Breite abbilden.

Bisherige Ideen zur Umsetzung

* “-ninnen”
* Vorschlag von Sofia: Bei Substantiven Endung -a statt -er , kombiniert
mit Artikel “das” (das Busfahra, die Busfahras)
* Wer auf das Geschlecht hinweisen wollte müsste das explizit (und
außerhalb der Grammatik) mit Adjektiven (eventuell als Kurzformen) tun,
und sich so dem Zuordnungsprozess bewusster werden.
* geht nur bei Wörtern die ohnehin auf “-er” enden. Ansonsten: das Pirat?
* Kritische Anmerkung: -a ist klanglich sehr nahe an -er
* Ist aber auch näher an weiblichen Namen und Bezeichungen in anderen
Sprachen… Ausgleich?
* Ist das Neutrum abwertend/entmenschlichend? “das Kind”, “das Mädchen”.
* Adjektive müssten das auch widerspiegeln
* im Englischen: Spivak-Pronomen “ey” (statt “they”) für he_she und
“eir” (statt “their”) als Possessivpronomen
* Unterstrich, Binnen-I und Sternchen als Platzhalter (Busfahrer_innen,
BusfahrerInnen, Busfahrer_Innen, Busfahrer*innen)
* Sprache in einem Buch “Der Winterplanet” (“The Left Hand of Darkness”
auch: “Die linke Hand der Dunkelheit”) von Ursula K. Le Guin, “per” wird
dort für “er_sie” verwendet, “pers” für ihre_seine”
* Hörbare Gender Gap: einen sprachlichen Unterschied zw. Arbeiterinnen
und Arbeiter_innen (Das haben Anwesende auf dem Gendercamp neu kennen
gelernt und als erhellend empfunden.)
* Anmerkung: Alte Sexismen dürfen dabei nicht unter neuer Grammaik
“begraben” werden! Es kann sein, dass neue Begriffe über die Zeit auch
männlich verallgemeinert/vereinnahmt werden.
* Sexismen aus der Sprache herausreißen und aufpassen, dass keine neuen
wachsen.

Effekte von gendersensibler Sprache

* Einer Person hat das Sprechen der Gender Gap/das Ändern der
Sprechgewohnheit vergegenwärtigt, wie Sprache strukturiert ist. Und
explizit bewirkt, dass sie jetzt explizit “nicht nur Männer” denkt.
* Menschen können durch explizit andere Wortwahl sensibilisiert werden.
Wer eine verbesserte Sprache gleich lernen würde, würde vielleicht
reflektieren, wofür die Formen stehen.
* Weibliche und inklusive Formen können in einem sexistischen Kontext
auch negativ und disqualifizerend interpretiert werden. “Achtung, Frau
am Steuer.”

Fragen

* Was ist mit genderneutral oder -sensibel gemeint? Gibt es einen
Unterschied? (Studierende vs. Student_innen?) Also: Heißt “nicht
klassifizieren” gendersensibel zu sprechen? Oder macht eine “neutrale”
Wortwahl wie “Studierende” nicht sensibel sondern unsichtbar?
* Sind Anhängsel an Worte nicht doof? Sollte nicht “die allgemeine Form”
alle Geschlechter meinen? (Mit dieser Überlegung hat sich eine Person
entschieden, die gängige (männlich konnotierte) Form zu benutzen, auch
wenn sie eine andere/neue Form besser fände.)

Ein Gedanke zu „Dokumentation der Session über Sprachverwendung

  1. sofias.

    danke für den link, die sylvain-konvention wurde nach besten gedächtnis diskutiert ;) mein problem damit: warum die alten sexistischen formen beibehalten? dadurch wird das noch viel komplizierter.sollen die neutralen formen optional sein? die reform wird ohnehin nur von denen verwendet die neutralere formen besser finden?außerdem wird in etwas unangenehmeren ecken des feminismus oft von "Feministinnen" gesprochen, obwohl sonst konsequent ge-binnen-i-t wird.auf sowas hab ich, gelinde gesagt, keinen bock…

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