Barrierefreie Internetseiten

Behinderte Menschen oder behindernde Internetseiten?

Grundsatz: Menschen sind nicht behindert, sie werden behindert (durch die Gesellschaft generell, aber auch z.B. durch Internetseiten, die Barrieren beinhalten).
Inklusion: Barrierefreiheit nicht zu einem “Problem” marginalisierter Menschen machen, sondern Anspruch an die eigene Umgebung stellen, alle Menschen einzuschließen.

Was hat das mit meinem Blog zu tun?

Das heißt für Menschen, die für Internetseiten verantwortlich sind: Bei barrierefreien Internetseiten geht es nicht darum, eine Art Sonderservice für einzelne Menschen anzubieten, sondern darum, sich für die Barrieren, die die eigene Webseite aufbaut, verantwortlich zu fühlen und sie abzubauen – das heißt, die eigene Beteiligung an einer Gesellschaft, die Menschen behindert, zu verringern.

Barrierefreiheit ist einfach und kompliziert

Schlechte Nachricht: Es gibt nicht “DAS” “Barrierefreiheits-Plugin”, das ich auf meine Seite hochlade und das alle Probleme für mich löst. Barrierefreiheit erfordert eher ein Umdenken, und sich auf verschiedene Bedürfnisse unterschiedlicher Menschen einstellen (Menschen mit eingeschränkter Seh- Hör- oder Bewegungsfähigkeit, Menschen, die zu epileptischen Anfällen neigen (blinkende/flackernde/sich schnell verändernde Bilder!), Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen, Eßstörungen (Triggerwarnungen!), …
Gute Nachricht: Vieles ist super einfach hinzubekommen und erfordert keinerlei zusätzlichen Programmierfähigkeiten oder obskures technisches Nischenwissen.

Zum Beispiel!

  • Anspruch auf Barrierefreiheit/Inklusion erkennbar kommunizieren, am Besten gleich von der Startseite direkt zugänglich. Kontaktmöglichkeit bieten für Probleme (aber nicht mit einem Kontaktformular “freikaufen” à la “Sagt, wenn was stört, ich achte ansonsten auf garnichts”!)
  • Übersichtlicher Seitenaufbau, direkt und unkompliziert zugängliche Inhalte
  • Für jedes Bild eine Bildunterschrift (und/oder alt-Text): Kein Roman, sondern eine Beschreibung der Dinge, die für Sehende zu sehen sind, besonders der Dinge, die für den (meistens Text-)Zusammenhang wichtig sind.
  • Daran denken, dass Text in Bildern oder Bildformaten (eingescannter Brief etc.) auch nicht gelesen werden kann, und Texte ebenfalls “von Hand” darunterschreiben.
  • Videos: Gesprochenes transkribieren (abschreiben), mit kurzer Beschreibung dessen, was zu sehen ist. (Zeitaufwändig! Suchen, ob schon ein Transcript existiert bzw. selbst geschriebenes Transcript anschließend an Videoautor_in bzw. andere Interessierte bekanntgeben)
  • Daran denken, dass nicht alle die gleichen technischen Mittel/ Internetverbindung zur Verfügung haben: Inhalt einfach gestalten, auch ohne Skripte, Bilder, Filme etc. sinnvoll les- bzw. hörbar.
  • Einfacher Test: Im Browser Javascript und Bilder deaktivieren. Funktioniert noch alles? Ja? Guter Anfang.

Inhalte können Respekt vermitteln oder Ausschluss von Menschen bewirken

  • Grundsatz behindertenfeindliche/ableistische Sprache: Die meisten negativen Begriffe/Schimpfwörter, die darauf abzielen, dass jemand oder etwas nicht irgendwelchen Vorstellungen von (körperlicher oder geistiger) “Normalität” oder “Intelligenz” entspricht, sind von Haus aus problematisch. Beispiele vom Gendercamp: “Sp*ck”, “behindert”, “blöd”/”dumm”/”idiotisch” als negative Begriffe. Beispiel aus dem Geek-Kontext: “lahm”/”lame” Das muss nicht sein. Die ganzen schönen Bemühungen zu Barrierefreiheit nutzen nichts, wenn der Inhalt ausschließend/ beleidigend ist.
  • Das gilt nicht nur für Sprache, sondern für Inhalte generell: Menschen mit Behinderungen im Inhalt mit bedenken (Ist meine Veranstaltung inklusiv? Bedenkt mein Text über Abtreibung, dass das Thema für Menschen mit Behinderungen eine ganz andere Problematik hat?)
  • Nicht davon ausgehen, dass Leser_innen nicht behindert sind.

Praktische Nebeneffekte

Die meisten Dinge, die Webseiten barrierefreier machen, sind auch ansonsten nützlich:

  • Klare, übersichtliche Gliederungen und einfach zugängliche Inhalte helfen allen
  • schnelle, flackernde Animationen können auch für Nicht-Epileptiker_innen störend oder beanspruchend sein, gerade bei Müdigkeit
  • Video-Transkriptionen helfen auch Menschen, die
    • keinen Ton an ihrem Rechner haben
    • das entsprechende Video in ihrem Land nicht angezeigt bekommen
    • die Sprache nur schlecht verstehen
    • gerade bei der Arbeit sitzen ;)
  • Bildunterschriften/alt-Texte klären, was Du von dem Bild willst und stellen Zusammenhang mit dem restlichen Inhalt her
  • Einfache Seiten sind auch für begrenzten Internetzugang besser, z.B. Smartphones
  • Für nicht behinderte Menschen: An andere Menschen als Dich selbst denken macht Dich spannender, sympathischer und Deine politischen Inhalte besser! Heh. Ernsthaft: Das Inklusionsprinzip, mit dem Du Dir hier Mühe gibst, lässt sich in allen Bereichen anwenden.

 

Nützliche Links

Englisch:
FWD/Forward: I want to develop a more accessible website. What do I do? Prima Linksammlung zu Barrierefreiheit auf Internetseiten
FWD/Forward: Ableist Word Profile: Sammlung problematischer Begriffe
via FWD/Forward:
Designing an Accessible Site Without Losing Your Mind Super einfache Übersicht zu Grundlagen von Barrierefreiheit
WebAIM Spaßige Testseite: eigene URL eingeben und staunen.
Deutsch:
Einfach für Alle von Aktion Mensch. Ziiemlich viel ziiiemlich technischer Kram, aber dafür haufenweise echt gute Information.

Ein Gedanke zu „Barrierefreie Internetseiten

  1. Dat Vögelchen

    Das war echt eine tolle Session, die meine Erwartungen übertroffen hat! Ich war froh, dass ich sie besucht habe! So.. das musste mal gesagt werden! :)

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>