Dominantes Redeverhalten reflektieren

Gender Camp 18.05.2011 (Session 11:15-13:00, Großer Sp@ghettiraum)

Dominantes Redeverhalten reflektieren, Gruppe 2

Input:
Session kommt aus dem Awareness-Team, ist aber keine vorstrukturierte
Anleitung
Inhalt soll eine Sammlung der Erfahrungen sein, die gemeinsam
reflektiert werden können

Procedere: Redeliste mit Quotierung nach Häufigkeit der Redebeiträge

Sammlung: Was ist dominantes Redeverhalten? / Was verstehen wir
darunter? (schriftlicher Input auf Kärtchen)

Die verschiedenen Aspekte, die von den verschiedenen Personen gesehen
werden, sollen zusammengetragen und in Austausch gebracht werden.

*raumgreifende oder wortabschneidende Gesten
*für andere sprechen
*- “wir” sagen, obwohl eigentlich “ich” angebracht wäre
*sich auf Fachwissen beziehen, als wäre es selbstverständlich
*alles kommentieren müssen, keine Kritik annehmen
*übermäßige Selbstdarstellung, bzw. damit viel Raum und Zeit einnehmen
*überlegenes Fachwissen zur Schau stehlen
*eigene Erfahrung über die anderer stellen
*Fragen beantworten, Mutmaßen ohne Wissen
*Vorwurf der Kritikunfähigkeit während einer Diskussion = Totschlagargument
*Dramatisierung eigener Erfahrungen und eigener Standpunkte
*Objektivität beanspruchen, wo mensch eine eigene, subjektive Position
referiert
*Erfahrungen anderer subsumieren – “Dein Problem ist dasselbe wie meins”
*andere nicht ernst nehmen, Zynismus, Ironie
*sich beim Reden aufrichten, aufstehen, höher hinstellen
*Personen statt Aussagen/konkrete Handlungen und Verhaltensweisen
kritisieren
*häufiges Wiederholen der immer gleichen Argumente
*unangemessen laut sprechen
*häufiger sprechen
*Unaufmerksamkeit/störende Nebengespräche
*absichtliches Stören von Gesprächsrunden durch Lachen oder Zwischenrufe
*Einmischung in Gespräche Dritter
*lange reden
*durch Themenwechsel in den Diskussionsverlauf eingreifen
*Themenwechsel der Gruppe nicht mitvollziehen, bei eigenem Thema beharren
*stummes Kommentieren durch Gesten und Laute (Gesicht verziehen,
anderweitig sich [nonverbal] äußern, ohne das Wort zu haben oder direkt
gefragt zu sein)
*andere unterbrechen, nicht ausreden lassen
*Beiträge von anderen ignorieren
*meinen, alle Punkte noch einmal zusammenfassen zu müssen
*and
*Gruppengespräche vs. private Gespräche
*Unterschiede in Rhetorik, Stimmlage und Eloquenz
*eigenen Narzißmus durch Wissensunterschiede bedienen
*verletzende Witze
*Sätze beenden für andere
*Diskriminierende Erfahrungen absprechen

Wann ist dominantes Redeverhalten OK?
z.B. ist dominante Gestik etc. OK, wenn es sich um eine eindeutige
Vortragssituation handelt
Dieses Verhalten sollte aber eben nur auf den Rahmen der eindeutigen
Situation beschränkt sein und nicht über dieses hinaus gehen.
z.B. in Unikontexten etc. werden bestimmte Hierarchien vorausgesetzt und
vieles, was oben als dominantes Redeverhalten aufgelistet wurde, wird
als akzeptabel eingestuft oder sogar erwartet
wir befinden uns nie auf neutralem Boden, es sind immer Strukturen da
und wir bringen welche mit
Einmischung in mitgehörte Gespräche z.B., wenn das Gehörte eine_n
persönlich angreift
lange Redebeiträge können uU erwünscht sein, z.B. wenn
Wissensvermittlung abgefragt wurde
willentlich ausgehandelte formale Situationen bzw. Positionen in einer
Gesprächsbeziehung dürfen und sollen teilweise sogar unterschiedliche
Grade von Dominanz aufweisen
Es sollte vielleicht nicht darum gehen, festzustellen, was okay, gut
oder schlecht ist, sondern das eigene dominante Verhalten zu
reflektieren und bewusst zu machen
ein gemeinsames vom Wahrgenommenen dominanten Redeverhaltens scheint es
zu sein, die Entwicklung der Gruppe hinter die eigene Einnahme von
Gesprächsraum zu stellen
Rolle der_des Moderator_in kann u.U. sein, dominante Strategien
anzuwenden, um die Gruppendiskussion in die gewünschte Richtung zu
lenken; die Frage ist: dient das dominante Verhalten der inhaltlichen
Arbeit oder dient es der Selbstdarstellung?
Einwand: es gibt wenige Situationen, wo es wirklich notwendig wird;
Moderation “an sich reißen” ist eine machtvolle Sache, und uns wird von
klein auf beigebracht, autoritäres Eingreifen sei notwendig; es sollte
eigentlich anders gehen

Besprochene Situationen scheinen relativ konkret zu sein und oftmals von
klar reguliertem dominanten Redeverhalten auszugehen. Es wäre aber auch
eine Betrachtung von Situationen, in denen das dominante Redeverhalten
nicht deutlich als solches wahrgenommen wird, sondern als natürlich
angesehen wird. (Bsp.: nicht-reflektierte Diskussion Priviligierter
(z.B. weißer Europäer) über die Situation anderer (z.B. Probleme in Afrika))

Neben den aktiven Kommunikationsformen die zu dominantem Verhalten
gehören, sind auch viele passive zu beachten. Die aktiven Formen sollten
vemieden werden, um die passiven angehen zu können

Es geschieht ein kurzer Hinweis auf die Begründung des Themas in
Problemen aus dem letzten Jahr, die gewisse Gespräche verhinderte, da
sich Personen durch dominantes Redeverhalten gestört fühlen. Die
Reflektion des Redeverhaltens soll den Umgang damit verbessern, etwa
bezüglich der Frage nach dem Einsatz bestimmten Redeverhaltens. Auch
soll das Ausbilden von Strategien für verschiedene Situationen zum Zweck
der Intervention angeregt werden.

Zwei Fragen werden gestellt: Sollten nun Strategien aus der Gruppe
formuliert werden? Wie kann man mit einer Situation umgehen, in der man
sich zur Dominanz gedrängt fühlt, da in einem Gespräch Aussagen
verwendet werden, die aus eigenem und allgemein anerkannten *Wissen*
falsch sind?

Es wird die Möglichkeit der Einführung eines Zeichens für Diskussionen
angesprochen, das den Eindruck des Vorkommens von dominantem
Redeverhalten anzeigt.

Eine Beobachtung in der Diskussion ist, dass sich viele Teilnehmer
absichern, nicht als dominant redend wahrgenommen wollen zu werden. Ein
Markieren eines dominanten Verhaltens wäre bei solchen Versuchen
womöglich kontraproduktiv.
Es bleibt aber nicht determinierbar, wer sich in welcher Situation
unwohl fühlt. Ein Hinweis auf dominantes Redeverhalten, über welches ja
nun auch gesprochen wurde, ist nicht böse gemeint, sondern ein Hinweis,
der hilfreich für alle sein soll.

Der Vorschlag am morgigen Tag eine weitere Session zu Strategien zu
veranstalten, trifft auf allgemeine Zustimmung.

Das Hinterfragen der Strukturen, die aufgebrochen werden sollen, gehen
einher mit vielen Verunsicherungen, aber auch mit Erhellung. Dies zu
bedenken kann bei der Bewertung von möglichen Strategien helfen.

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