Speziesismus aus intersektioneller Perspektive

Dieser Inputvortrag ist vor allem eine Zusammenfassung v. Birgit
Mütherichs„Speziesismus, soziale Hierarchien und Gewalt“ basierend auf
einem Vortrag, den die Autorin auf dem Tierrechtskongress in Wien
(September 2004) gehalten hat.
Einleitung
- Als „naturgegeben“ dargestellte Hierarchien gibt es seit der Antike
- beziehen sich vor allem auf Dualitäten
- Konstruktion v. „Gut“ – „Böse“, „Natur“ – „Kultur“, „Mann“ – „Frau“,
„Schwarz“ – „Weiß“ etc.
- in den letzten Jahren Tendenz v. Emanzipatorischen Bewegungen die
Unterdrückung v. Lebewesen aufgrund der Nichtzugehörigkeit zu menschlichen
Spezies auch als Unterdrückungsstrategie anzusehen (→ Speziesismus)
Grundelemente der westlichen Kultur: Hierarchie und Herrschaft
- „naturliche“ Hierarchien als Basis
- durch Industrialisierung „Perfektion“ v. fast jeglicher Form von Ausbeutung
- nicht „natürlich“, siehe Vergleich egalitäre nicht-monotheistische
süd/ostasiatische Kulturen
Speziesismus
- „Tiere“ sind die niedrigste Stufe der Hierarchieleiter (nach Max
Horkheimer)
- nicht mal Teil des sozialen Systems, sondern materielle Ressource
- Richard D. Ryder prägte den Begriff „Speziesismus“ in den 1970-er Jahren
- Analog zu Rassismus/Sexismus beschreibt der Speziesismus in erster Linie
die ethische und moralische Ungleichbehandlung bzw. Nichtberücksichtigung
von Lebewesen auf Grund ihrer
Spezieszugehörigkeit. Aus soziologischer Sicht erfasst der Begriff den
Tatbestand der institutionalisierten und im industriellen Maßstab
realisierten systematischen Kontrolle, Unterdrückung, Ausbeutung und
Tötung von Individuen auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer
bestimmten Spezies bzw. – allgemein – ihrer Nichtzugehörigkeit zur
menschlichen Spezies.
Nach Albert Memmi analog zu seiner Rassismusdefinition
1. Die nachdrückliche Betonung von tatsächlichen oder fiktiven Unterschieden
zwischen der Speziesist_in und seinem_ihrem Opfer.
2. Die Wertung dieser Unterschiede zum Nutzen der Speziesist_in und
zum Schaden seines_ihres Opfers.
3. Die Verabsolutierung dieser Unterschiede, indem diese verallgemeinert
und für endgültig erklärt werden.
4. Die Legitimierung einer – tatsächlichen oder möglichen – Aggression
oder eines – tatsächlichen oder möglichen – Privilegs.
Tier-Begriff und Mensch-Tier-Dualismus
- Tier-Begriff als biologische Kategorie besitzt Legitimität, sonst höchst
problematisch
- Tiere haben gemeinsame Merkmale wie z. B. Sinnesorgane
- Zu Tieren gehören enorm viele Lebewesen
- Jedoch werden gegenüber aller Empirie und Logik Menschen in der
gesellschaftlichen Vorstellung nicht als Tiere angesehen
- Abwertung im alltagssprachlichen Zusammenhang (Schimpfwörter,moralisch
Verwerfliche, Schmutzige, Abartige, Minderwertige z.B. „wie ein Tier“)
- Tierliche Individuen können ihre Rechte gar nicht erst verlieren, da sie
keine haben siehe z.B. Ausdrücke wie: “erschlagen wie ein Hund”,
“abgestochen wie ein Schwein”
- Verschleierung d. Gewaltverhältnisses durch Begriffe wie „Ernte“ für
Tötung v. „Pelztieren“, „verenden“ statt „sterben“
Kulturgeschichtliche Hintergründe
- Beginn Domestikation v. 10000 Jahren
- aber v.a. Durch Christentum
- während im Buddhismus eher Gesamtwirklichkeit betrachtet wird, sind
monotheistische (judisch-christliche) Religionen hierarchisch
→ männlicher Schöpfergott, „natürliche“ gottgegebene Ordnung, Dualismen
- Tier als Böse, Gott-fern, Anti-menschlich
- Gott ↔ Satan, Mensch ↔ Tier, → Seelenlosigkeit, Vernunftmangel,
Determiniertheit, Triebhaftigkeit und Sterblichkeit
- Damit konnten auch alle Menschengruppen, denen Vernunftmangel,
Sittlichkeitsdefizite,
Triebleitung, und damit eine wesensmäßige “Naturnähe” zugeschrieben
wurden, als weitgehend rechtlos und als zu beherrschende Subjekte bzw.
Objekte betrachtet werden.
- Durch Idealismus seit Aufklärung Dualismen wie Geist versus Natur, Seele
versus Körper, Mensch versus Tier
- Mensch als Krone der Schöpfung
Speziesismus als (auch) menschenbezogenes Deklassierungsschema
- durch Dualismus → zivilisatorisches Erziehungsprogramm
- ähnlich Kolonialismus, Missionierung → weltanschaulich-ideologischen
Überzeugungen “nach innen” und Rechtfertigungsmustern “nach außen”.
- Feindbilder, psychologische Kriegsführung
- schwarze Menschen wurden millionenfache Opfer im Namen der
“zivilisierten Welt” geführten Kampfes gegen das vermeintlich
“Naturhafte”, Rückständige, Unberechenbare und Gefährliche. Ihnen
gegenüber dominierte das eurozentrische Bild vom “tierhaften, ungezügelten
‚Schwarzen’”, das die weißen Kolonialherren zwischen dem 16. und 18.
Jahrhundert als ideales Propagandamittel zur Legitimation des
transatlantischen Sklavenhandels entwarfen. häufig mit
Tieren bzw. dem “Tierischen”, z. B. “Äffischen” in Verbindung gebracht.
- Frauen, als naturnah, leichtfertig, zügellos, unmoralisch, sündhaft
- Analogien: Jagd, Beute, „Luder“, tierbezogene Kosenamen („Häschen“,
„Mieze“ etc.)
→ metaphorische Instrumentalisierung und Demonstration von Überlegenheit.
- dualistischen Zuordnungen Geist = Mann = Subjekt versus Materie = Frau =
Objekt entspricht auch der geschlechterbezogene Gegensatz aktiv versus
passiv. Männer als Jäger, Frauen als Fleisch
Zusammenfassung
- „Natürlichkeits“argumente sollten zumindest als stark problematisch
angesehen werden
- Die Verflechtungen dieser Unterdrückungsmechanismen sind noch nicht so
sehr untersucht und bieten eine gute Möglichkeit Diskriminierugnsformen in
einen Kontext zu setzen und die Befreiung aller Lebewesen voranzutreiben.

Weiterführende Literatur
www.tierrechtskongress.at/2004/beitraege/speziesismus_muetherich.pdf

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