Alternativen zu visuellen Awareness Tools und Barrierefreiheit

Ort: Schwingboden @gendercamp
Personenanzahl: 10-11

"Alternativen zu visuellen Awareness Tools und Barrierefreiheit"

 

Die Idee zur Session, über die Integration von Tools für blinde/sehbehinderte Menschen auf dem Gendercamp zu diskutieren, kam im Laufe der Veranstaltungstage durch die zahlreichen Installationen des Awareness Teams (z.B. Tafel, Infoblätter, Flipcharts, Plakate, Schilder, Duschampel, etc.). Den Wortmeldungen dieser Session zufolge wurden die Ausarbeitungen des Awareness Teams überwiegend als sehr positiv empfunden. Allerdings nimmt der_die Initiator_in dieser Session an, dass viele der Ideen und Denkanstöße des Awareness Teams auf die visuelle Fähigkeit von Menschen ausgerichtet sind, was bedeutet, dass jene Installationen zum respektvollen Umgang miteinander möglicherweise nur bei Menschen funktionieren könnten, die freien Zugang zu den eingerichteten informellen Strukturen haben. So wird vermutet, dass blinde/sehbehinderte Menschen ungewollt hierdurch ausgeschlossen werden. Diese Gedanken stießen auf breite Zustimmung innerhalb der Session.

Wir gingen der Frage nach, in wie fern es machbar ist, Tools im Rahmen unserer Möglichkeiten auszuarbeiten, um auch blinden/sehbehinderten Menschen einen geschützten Raum anzubieten, in dem sie sich einbezogen und wohl fühlen. Die Runde bestand ausschließlich aus nicht sehbehinderten Menschen.

  

Lösungsvorschläge für Neuerungen anhand konkreter Beispiele:

  

Lesecke

Die Leseecke ist mit vielen hilfreichen Infoblättern, Zines, Linksempfehlungen, Büchern, etc. ausgestattet, bietet jedoch nur sehenden Menschen ein breites Spektrum zur Weiterbildung, da in den schriftlichen Medien keine Punktschrift//Blindenschrift verwendet wird. Eine Idee hierzu war, ein Podcastprojekt zu starten, in dem Zines und Infoblätter zu verschiedenen Themen eingelesen werden. Auch auf freie-radios.net ließe sich vielleicht Infomaterial finden. Des Weiteren ist uns aufgefallen, dass der Eingang zur Leseecke sehr klein ist bzw. einen Standardtürrahmen hat. Die Anregung für das Gendercamp 2013, nach einem etwas größeren Raum zu suchen, könnte das Platzproblem lösen, sofern dies raumanzahltechnisch möglich ist.

 

Rückzugsraum

Der Rückzugsraum befand sich in der oberen Etage des Haupthauses, der nur über eine Wendeltreppe betreten werden kann. Gehbehinderten Menschen wird hierdurch der Zugang erschwert, womit eine Verlagerung des Rückzugsraum in die unteren Etagen als Anregung für das Gendercamp 2013 resultierte.

 

Computer

Die ausleihbaren Computer können als nicht barrierefrei deklariert werden, da sie nicht mit zusätzlichen Geräten für ein barrierefreies Arbeiten für blinde/sehbehinderte Menschen ausgestattet sind, z.B. sind die Bildschirme sehr klein und spezielle technische Geräte (u.a. Braillezeile*) bisher noch nicht vorhanden. 

*Die Braillezeile ist ein technisches Gerät, das an eine Tastatur angeschlossen werden kann. Blinde/sehbehinderte Menschen können über diese Geräte durch die Anordnung von Stiften somit Textzeilen lesen bzw. ertasten.


Protokollierung der Sessions

Die Protokollierung der Sessions zum Nachlesen finden wir wunderbar, aber auch hier haben wir die Sorge ausgesprochen, dass blinde/sehbehinderte Menschen dadurch nicht teilnehmen können. Der Lösungsvorschlag in Form eines Podcast/Audiovisuellen Teams während der gesamten Gendercampzeit wurde in den Raum gestellt. So könnte das Podcast/Audiovisuelle Team die Protokolle akkustisch einspielen, damit sehende und blinde/nicht gut sehende Menschen auch immer up-to-date sind, was gerade auf dem Gendercamp passiert. Ein_e Teilnehmerin äußerte die Vermutung, dass dieses Problem auch durch eine barrierefreie Dokumentationsseite und einem entsprechend ausgestatten Rechner zu beheben wäre.

 

Sessionvorschlag für das Gendercamp 2013

Zur Sensibilisierung der sehenden Personen auf dem Gendercamp 2013 fanden wir die Idee, eine Session mit dem Titel „Wie hört sich das Internet für blinde Menschen an?” anzubieten, sehr spannend und würden dies begrüßen.

 

Visuelle Installationen

Ein weiteres Beispiel sind die in vielen Räumen angebrachten Plakate mit Handzeichen, deren Bedeutung jeweils daneben prägnant beschrieben wurden. Wie wir festgestellt haben, sind diese Handzeichen im Laufe des Gendercamps von den Teilnehmer_innen größtenteils adaptiert worden und sie scheinen, glücklicherweise zu wirken. Aber auch hier gehen wir davon aus, dass diese Installation bedauerlicherweise für blinde/sehbehinderte Menschen keine/kaum Relevanz hat. Hierfür haben wir aus zeitlichen Gründen und aus einer Wissenslücke heraus noch keine Lösungsvorschläge erörtern können, da zusätzliche akkustische Signale während einer Diskussion auch als störend empfunden werden können. 

Überprüfung der Barrieren auf gendercamp.de und gendercamp.posterous.com

Wir haben die Frage in den Raum gestellt, ob die Webseiten gendercamp.de (bzw. mixxt.de, auf deren Plattform gendercamp.de läuft) und gendercamp.posterous.com (bzw. Posterous) überhaupt barrierefrei sind. Eine teilnehmende Person schlug vor, diese beiden Webseiten auf Barrierefreiheit zu überprüfen, da sie dies schon mal aus beruflichen Gründen gemacht hatte. Wir fanden die Idee sehr gut und freuen uns auf Rückmeldung.

Es wurde der verhältnismäßig leicht umzusetzende Vorschlag gemacht, dass weniger verschachtelte Formulierungen auf den Gendercamp Webseiten und im Forum benutzt werden sollte. Denn es wurde die Erfahrung geäußert, dass lange verschachtelte Sätze von Screenreadern* schlecht betont werden. Des Weiteren könnten leichte und verständlich aufgebaute Sätze mit wenigen exklusiven Fachbegriffen helfen, die Inhalte auf den Gendercamp Webseiten zu verstehen – dies gilt sowie für sehende Menschen als auch für blinde/sehbehinderte Menschen.

*Screenreader machen Computer für blinde Menschen zugänglich. Sie geben den Inhalt des Bildschirms an die Sprachausgabe und Braillezeile wieder.

Es kam der Vorschlag, auch im Mixxt-Forum einen Thread zum Thema Barrierefreiheit auf dem Gendercamp zu starten, um im Vorwege die unterschiedlichen Kenntnisse über Barrierefreiheit zu sammeln, aber auch, um das allgemeine Interesse zu erfassen.

 

Barrieren auf dem Gelände

Ein weiterer Vorschlag war, in jedem Gebäude Informationswände mit Punktschrift/Blindenschrift aufzustellen oder MP3-Player mit eingespielten Informationstexten an diesem Ort zu platzieren. Hierfür müssten spezielle Druckersysteme verwendet werden, die evtl. über Vereine oder Organisationen leihweise angefragt werden könnten.

 

Öffentliche Fördermittel 

Eine Person erwähnte, dass es möglich sei, einen Antrag auf öffentliche Fördermittel zu stellen, um die Barrierefreiheit beim Gendercamp zu thematisieren. Auf diese Weise könnte Unterstützung von professioneller Beratungsstelle heran geholt werden. Die Chance bestünde also, über öffentliche Zuschüsse das Gendercamp tatsächlich barrierefreier (um-) gestalten zu könn
en
.

 

Frage zum Abschluss in der Runde:

Es wurde die Frage gestellt, ob Interesse bestünde, ein neues Team für das Gendercamp 2013 zusammen zu stellen/zusammen stellen zu lassen, das dem Orga- und Awareness Team zuarbeitet und sich um barrierefreie Angelegenheiten kümmert. Hierzu hatten sich fast alle teilnehmenden Personen gemeldet und somit bejaht. Wir waren uns darüber einig, dass die Abstimmung zu diesem Zeitpunkt noch keine Verpflichtungen bedeutete, da wir Verständnis dafür zeigten, den Aufwand und die vorhandende Zeit noch nicht einschätzen können. 

Fazit:

Wir denken, dass der Mangel an Barrierefreiheit nicht schnell zu beheben ist, sondern es Zeit und vor allem fachliche Kenntnisse benötigt. Aber auch finanzielle Mittel sind notwendig, um das Umfeld zum Gendercamp so zu gestalten, dass der Begriff „Barrierefreiheit" sich nicht nur auf Rollstuhlfahrer_innen oder blinde/sehbehinderte Menschen beschränkt, sondern ein weites Feld öffnet, das unterschiedliche Wahrnehmungen von Barrieren minimiert.

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>