Asexualität und ihre Abstufungen

Zunächst nannten alle Teilnehmer_innen kurz ihre Motivation bzw. ihr Interesse, an dieser Session teilzunehmen. Dies wurde auf Wunsch aller nicht protokolliert.

 

Allgemeine Aussagen dieser Einführungsrunde waren, dass Asexualität

-         vielen Menschen zwar als Begriff bekannt ist, aber näheres Wissen darüber fehlt

-         gesellschaftlich "unter den Tisch gekehrt" wird, weil es fast nie Erwähnung findet

-         selbst in queeren Räumen / Zusammenhängen kein Thema ist

-         kein dauerhafter Zustand sein muss, sondern mensch sich auch über längeren Zeitraum mal sexuell, mal nicht sexuell fühlen kann

 

Es fielen auch Begriffe wie "demisexuell" (= "halb/zum Teil sexuell begehrend") oder "grey-A" (quasi: "Graustufen der Asexualität"), die zu den Abstufungen gehören. Diese sind nachzulesen unter http://www.asex-wiki.de/index.php/Demisexuell und http://www.asexuality.org/wiki/index.php?title=Gray-A [englisch].

 

Es kam die Frage auf, was genau "Sex" denn überhaupt sei und wo dieser anfinge:

-         gibt gewisse gesellschaftliche Vorstellung davon, die auch über Filme etc. verbreitet wird

-         "gehört halt dazu" (besonders in Bezug aufs monogame Zweierbeziehungsmodell)

-         leichter Körperkontakt (z. B. vertrautes Anlehnen) impliziert oft, dass es zu mehr führen kann oder gar soll

-         Begriff "Begehren" ebenfalls schwer definierbar

 

Unsicherheiten bezüglich der Kommunikation

-         was ok ist beim Sex und was nicht, da oft automatisch "A zu B zu C zu…" führt

-         ab welchem Punkt eine Person nicht/nie weitermachen will und wie das erklärt werden kann

-> gibt z. B.  Menschen, die gerne kuscheln und küssen, aber keinen Kontakt mit Geschlechtsorganen haben möchten

 

Begriff "a-romantisch" fiel: Menschen, die sich auch nicht romantisch (im Gegensatz zum "stärkeren" sexuell) zu anderen Personen hingezogen fühlen (siehe auch: http://www.asex-wiki.de/index.php/Aromantik)

 

Herkunft des Wortes "asexuell" wurde kurz erklärt:

-         asexuell bedeutet NICHT "nicht sexuell" (manche Asexuelle können trotzdem sexuell erregt/aktiv sein), sondern "kein Geschlecht (= keine Person) sexuell begehrend"

-         analog zu

o       "heterosexuell = das (von sich selbst) verschiedene Geschlecht sexuell begehrend"

o       "homosexuell = das (sich selbst) gleiche Geschlecht sexuell begehrend"

o       bisexuell = "beide/zwei Geschlechter sexuell begehrend"

-         (diese Begriffe gehen immer von einer Geschlechterbinarität aus; andere Identitäten fallen leider hinten runter)

 

Es folgten verschiedene Meinungsäußerungen zum Umfeld:

-         geäußerte Asexualität / Selbst-Identifizierung als Asexuelle_r wird in bestimmten Umfeldern ("Bubbles") akzeptiert, beim Verlassen dieser jedoch sofort abgesprochen als etwas, das "doch gar nicht ginge / existiere"

-         Sexhaben ("wer mit wem und wie vielen wie oft") sei für einige etwas, worüber sie sich identifizieren und was als "Statussymbol" gehandhabt wird

-         in manchen Gruppen / Räumen kann Asexualität die eigene "default"-Anahme sein, um den eigenen Umgang miteinander zu erleichtern – dies kann aber auch falsch verstanden werden

-         eigenes Umfeld lässt oft (unbedacht) sexuell konnotierte Bemerkungen fallen, weil "sexuell sein / Sex haben" einfach als Grundannahme unausgesprochen im Raum steht; Beispiele:

o       "Du hast es gut, du hast ja eine_n Freund_in! Ich will auch endlich mal wieder Sex haben."

o       "Wie, ihr könnt euch nicht auf einen Film einigen? Mir würden da eh gaaanz andere Sachen einfallen, wie ich Zeit mit meine_r/m Freund_in verbringe."

-         Sexualität ist nur Thema, wenn es gewünscht bzw. aktiv gelebt wird; fehlendes Bewusstsein, dass mensch keinen Sex haben wollen könnte

-         Asexualität als Begriff ein "Nichts" / ein "Nicht-Akt", daher schwer, über dieses "Nichts" zu reden (wenige sagen "übrigens, ich bin nicht sexuell / habe keinen Sex")

-         Sexualität / sexuelles Vorgehen = Norm, anderes fällt hinten runter

 

Zuletzt noch mal Meinungsäußerungen zum Umgang mit Asexualität in romantischen Beziehungen:

-         Aussagen wie "wenn du keinen Sex willst, hab halt keinen" sind problematisch, da "eine Beziehung mit anderen haben" automatisch Sex impliziert und keinen Sex haben zu wollen oft Beziehung scheitern lässt

-         romantische Beziehungsmodelle schließen nahezu immer Sex mit ein, gibt kaum andere (sichtbare) Modelle

-         dadurch oft unfreiwilliger Verzicht auf "mehr" (nämlich gesamte Beziehung), wenn Person eigentlich einfach nur keinen Sex haben will

 

Sessionende, es
wurden noch weiterführende Informationsstellen genannt (direkt in der Session oder in Gesprächen hinterher):

-         Zine (ausliegend im Leseraum, leider nicht online): "Wer A sagt muss nicht B sagen"

-         dazugehörige Webseite: http://asexyqueer.blogsport.de/ (mit Terminen und vielen weiteren Infos)

-         Asex-Wiki: http://www.asex-wiki.de/index.php/Hauptseite

-         Asex-Forum: http://www.asexuality.org/de/

-         AVEN (Asexual Visibility and Education Network): http://www.asexuality.org/home/ [englisch]

-         Blogeintrag: "Bi-asexuell? Wie geht das denn?" http://www.bisexualitaet.org/bi-asexuell-wie-geht-das-denn-04092011.html

Ein Gedanke zu „Asexualität und ihre Abstufungen

  1. puzzlestuecke

    Ich mag diese Comics auch sehr gerne und hatte mich über die Thematisierung gefreut. Allerdings ist das Ende natürlich nur eine von vielen "Lösungen", denn sicherlich will nicht jede_r Asexuele den_die Partner_in mit anderen im Bett wissen. ;)

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