Archiv für den Monat: Mai 2012

Speziesismus aus intersektioneller Perspektive

Dieser Inputvortrag ist vor allem eine Zusammenfassung v. Birgit
Mütherichs„Speziesismus, soziale Hierarchien und Gewalt“ basierend auf
einem Vortrag, den die Autorin auf dem Tierrechtskongress in Wien
(September 2004) gehalten hat.
Einleitung
- Als „naturgegeben“ dargestellte Hierarchien gibt es seit der Antike
- beziehen sich vor allem auf Dualitäten
- Konstruktion v. „Gut“ – „Böse“, „Natur“ – „Kultur“, „Mann“ – „Frau“,
„Schwarz“ – „Weiß“ etc.
- in den letzten Jahren Tendenz v. Emanzipatorischen Bewegungen die
Unterdrückung v. Lebewesen aufgrund der Nichtzugehörigkeit zu menschlichen
Spezies auch als Unterdrückungsstrategie anzusehen (→ Speziesismus)
Grundelemente der westlichen Kultur: Hierarchie und Herrschaft
- „naturliche“ Hierarchien als Basis
- durch Industrialisierung „Perfektion“ v. fast jeglicher Form von Ausbeutung
- nicht „natürlich“, siehe Vergleich egalitäre nicht-monotheistische
süd/ostasiatische Kulturen
Speziesismus
- „Tiere“ sind die niedrigste Stufe der Hierarchieleiter (nach Max
Horkheimer)
- nicht mal Teil des sozialen Systems, sondern materielle Ressource
- Richard D. Ryder prägte den Begriff „Speziesismus“ in den 1970-er Jahren
- Analog zu Rassismus/Sexismus beschreibt der Speziesismus in erster Linie
die ethische und moralische Ungleichbehandlung bzw. Nichtberücksichtigung
von Lebewesen auf Grund ihrer
Spezieszugehörigkeit. Aus soziologischer Sicht erfasst der Begriff den
Tatbestand der institutionalisierten und im industriellen Maßstab
realisierten systematischen Kontrolle, Unterdrückung, Ausbeutung und
Tötung von Individuen auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer
bestimmten Spezies bzw. – allgemein – ihrer Nichtzugehörigkeit zur
menschlichen Spezies.
Nach Albert Memmi analog zu seiner Rassismusdefinition
1. Die nachdrückliche Betonung von tatsächlichen oder fiktiven Unterschieden
zwischen der Speziesist_in und seinem_ihrem Opfer.
2. Die Wertung dieser Unterschiede zum Nutzen der Speziesist_in und
zum Schaden seines_ihres Opfers.
3. Die Verabsolutierung dieser Unterschiede, indem diese verallgemeinert
und für endgültig erklärt werden.
4. Die Legitimierung einer – tatsächlichen oder möglichen – Aggression
oder eines – tatsächlichen oder möglichen – Privilegs.
Tier-Begriff und Mensch-Tier-Dualismus
- Tier-Begriff als biologische Kategorie besitzt Legitimität, sonst höchst
problematisch
- Tiere haben gemeinsame Merkmale wie z. B. Sinnesorgane
- Zu Tieren gehören enorm viele Lebewesen
- Jedoch werden gegenüber aller Empirie und Logik Menschen in der
gesellschaftlichen Vorstellung nicht als Tiere angesehen
- Abwertung im alltagssprachlichen Zusammenhang (Schimpfwörter,moralisch
Verwerfliche, Schmutzige, Abartige, Minderwertige z.B. „wie ein Tier“)
- Tierliche Individuen können ihre Rechte gar nicht erst verlieren, da sie
keine haben siehe z.B. Ausdrücke wie: “erschlagen wie ein Hund”,
“abgestochen wie ein Schwein”
- Verschleierung d. Gewaltverhältnisses durch Begriffe wie „Ernte“ für
Tötung v. „Pelztieren“, „verenden“ statt „sterben“
Kulturgeschichtliche Hintergründe
- Beginn Domestikation v. 10000 Jahren
- aber v.a. Durch Christentum
- während im Buddhismus eher Gesamtwirklichkeit betrachtet wird, sind
monotheistische (judisch-christliche) Religionen hierarchisch
→ männlicher Schöpfergott, „natürliche“ gottgegebene Ordnung, Dualismen
- Tier als Böse, Gott-fern, Anti-menschlich
- Gott ↔ Satan, Mensch ↔ Tier, → Seelenlosigkeit, Vernunftmangel,
Determiniertheit, Triebhaftigkeit und Sterblichkeit
- Damit konnten auch alle Menschengruppen, denen Vernunftmangel,
Sittlichkeitsdefizite,
Triebleitung, und damit eine wesensmäßige “Naturnähe” zugeschrieben
wurden, als weitgehend rechtlos und als zu beherrschende Subjekte bzw.
Objekte betrachtet werden.
- Durch Idealismus seit Aufklärung Dualismen wie Geist versus Natur, Seele
versus Körper, Mensch versus Tier
- Mensch als Krone der Schöpfung
Speziesismus als (auch) menschenbezogenes Deklassierungsschema
- durch Dualismus → zivilisatorisches Erziehungsprogramm
- ähnlich Kolonialismus, Missionierung → weltanschaulich-ideologischen
Überzeugungen “nach innen” und Rechtfertigungsmustern “nach außen”.
- Feindbilder, psychologische Kriegsführung
- schwarze Menschen wurden millionenfache Opfer im Namen der
“zivilisierten Welt” geführten Kampfes gegen das vermeintlich
“Naturhafte”, Rückständige, Unberechenbare und Gefährliche. Ihnen
gegenüber dominierte das eurozentrische Bild vom “tierhaften, ungezügelten
‚Schwarzen’”, das die weißen Kolonialherren zwischen dem 16. und 18.
Jahrhundert als ideales Propagandamittel zur Legitimation des
transatlantischen Sklavenhandels entwarfen. häufig mit
Tieren bzw. dem “Tierischen”, z. B. “Äffischen” in Verbindung gebracht.
- Frauen, als naturnah, leichtfertig, zügellos, unmoralisch, sündhaft
- Analogien: Jagd, Beute, „Luder“, tierbezogene Kosenamen („Häschen“,
„Mieze“ etc.)
→ metaphorische Instrumentalisierung und Demonstration von Überlegenheit.
- dualistischen Zuordnungen Geist = Mann = Subjekt versus Materie = Frau =
Objekt entspricht auch der geschlechterbezogene Gegensatz aktiv versus
passiv. Männer als Jäger, Frauen als Fleisch
Zusammenfassung
- „Natürlichkeits“argumente sollten zumindest als stark problematisch
angesehen werden
- Die Verflechtungen dieser Unterdrückungsmechanismen sind noch nicht so
sehr untersucht und bieten eine gute Möglichkeit Diskriminierugnsformen in
einen Kontext zu setzen und die Befreiung aller Lebewesen voranzutreiben.

Weiterführende Literatur
www.tierrechtskongress.at/2004/beitraege/speziesismus_muetherich.pdf

Digitales Identitätsmanagement oder: Wo bin ich wer?

Anrede:
Eben war ja eine abstraktere Betrachtung jetzt eher die konkretere Frage nach dem “wer bin ich”? Gerade im Bezug auf Pseudonyme, Anonyme und digitale Identitäten.
Erst pseudonym geblogged, dann für den beruflichen Kontext den Bedarf für etwas vorzeigbareres gesehen.

Vorstellungsrunde:
   *
  •  benutzt verschiedene Identitäten für verschiedene Kontexte die aber stark getrennt sind.
  • berufliche Identitäten liegen brach.
    *
        * niemals eindeutige Nickname
        * mochte nicht, dass mensch ihn über die verschiedene Netzwerke hinweg finden kann
        * andere können sich unter dem bürgerlichen Namen mehr vorstellen
    * acid:
    * 
        * lange Zeit auf der Suche nach einem Künstlernamen, dann irgendwann gefunden
        * steht inzwischen auch am Briefkasten
        * ist einfach alles unter dem gleichen Namen zu haben
        * ist auch schon kompliziert genug mit den ganzen Passwörtern
        * verfließt immer mehr.
    *:
        * hat zu dem gegebenen Namen eher das Problem der unverwechselbarkeit
        * mochte Pseudonyme schon von den 90ern
        * ist genervt von sozialen Netzwerken die auf den bürgerlichen Namen bestehen
        * findet alternative-Realitätenmanagement immer schwieriger
    * 
        * hatte einen Hauptnick der nicht mehr so gut gefunden werden möchte
        * findet das praktisch, wenn man Informationen über andere heraus finden kann
        * findet alternatves ReaMag auch schwer
    * 
        * Twitternick der zuviel über das was sagt
        * wird aber trotzdem gefunden
        * Anreiz der Steuerung der Präsentation
    *
        * hat drei digitale Identitäten
        * alten Nick abgelegt weil Teenager
        * wird langsam schwieriger
        * sieht auch das Problem des nachweisens von Stuff in Internet
        * hat auf Facebook 5 verschiedene Listen
    * 
        * findet Identitätsmanagement auch schwierig
        * früher unter Klarnamen (sic!)
        * dann bloggen unter Anonym
        * überlegt über zweiten Facebook-Account
        * traut sich nicht pol. Kommentare abzugeben
    * 
        * bewundert eindeutige digitale Identitäten
        * möchte gerne einen Beruf machen wo sie sein könnte wie sie ist
        * arbeitet im Social Media Bereich
        * war auf dem CommunityCamp die einzige ohne Nachnamen auf dem Namensschild

Diskussion:
acid empfielt Passwortmanager ( http://keepass.info/ ) und spricht sich für soziale Verantwortung.
* jemensch benutzt Passwortschlüssel und will in der aktuellen sozialen Lage nicht so öffentlich erscheinen.
* wunsch nach veränderung durch vorleben
* frei bewegen durch privilegien
* negative Konsequenzen drohen

Danach fiel leider das Internet aus und das Protokoll ging verloren.

‘weibliche’ Arbeit im Netz – Beispiel Craftblogging

* Strickgruppen nicht als Anti-Emanzipatorisches Element.
* Teilnehmer*in postet auch nicht zu weiblich *konnotierten Themen.
* Problem des Zeitmanagements: wenn mensch sich nur mit Pflege der Bude
beschäftigt gibt es keine Zeit zum beschäftigen mit politischen Themen.
* Craftblogs, mit politischen Themen machen das über Nachhaltigkeit.
* Crafting früher als Notwendigkeit, heute oft als Lifestyle
* DIY als antikapitalistisches Element bzw zum Skillsharing (Andere Art
des Lernens und Lehrens)
* Craftblogging macht es anderen leicht, weibliche Blogger_innen die zu
Politik bloggen als in weibliche Rollen passend wahrzunehmen
* “männliches” basteln bevorzugt um das Bild nicht aktiv zu
reproduzieren, Gefahr der unpolitischen Deutung
* Crafting als Weg für Frauen, um „weiter zu stricken“ mit politischem
Anspruch
* Grundlagen der Handarbeit wurden in der DDR in der Grundschule allen
beigebracht
* Handarbeitslehre wird skeptisch betrachtet, wenn sie von Männern* ausgeübt
* Rechtfertigungsstrategien: “Das ist nur mein Hobby, das ist gar nicht
politisch” oder „Das ist politisch weil DIY …“
* Beispiel vom Wolladen als geschlechtlich sortierter Raum
* Gesellschaftliche Tendenz zu stärkeren Trennung der Geschlechter durch
Deutung als Hobby und nicht als Notwendigkeit
* Trennung in wichtigen Themen und Hobbies
* weiblich konnotierte Tätigkeiten werden als irrelevant gedeutet,
Anfechtung dieser Einschätzung problematisch
* Handarbeit wird als relevanter eingeschätzt durch kommerzielle Verwertung
* Empfehlung des Ignorierens dieser Einschätzung, Empowerment zur
besseren Wertschätzung eigener Arbeit sinniger
* Vertrieb von Handarbeitszubehör nur als Nebenerwerb betrieben
* Preispolitik auf Dawanda: Hochaufwändige Produkte werden für kaum mehr
als den Materialwert verkauft – Bild der „Bastelmami“
* Handarbeitsprodukte, die nicht weiblich konnotiert werden werden zu
einem ganz anderen Preis feil geboten
* Bild der „Bastelmami“ ist eigentlich erstrebenswert: Arbeiten aus
Leidenschaft, …; leider in kapitalistischer Realität hochproblematisch
* Preispolitik zerstört den Markt für jene, die ihre Arbeit zu gerechten
Löhnen anbieten wollen
* Arbeit wird nicht als Existenzerhaltend wahrgenommen

**Links: **
http://knitty.com – Beispiel für ein Strickmagazin mit kostenlosen
Anleitungen, in dem Menschen verschiedenster Körpermaße als Models
gezeigt werden
http://theanticraft.com – Anleitungen für sinistre, irritierende
Handarbeiten

Wie das was wir sind, (nicht) damit zusammenhängt, wer wir sind, und was das für Beziehungen+Diskurse im Internet bedeutet.

Anrede von Session-Initiatorin, Erwähnung von Intensivierung von Bezügen zu Menschen über mehr Infos zur Körperlichkeit/sexuellen Orientierung und dem gay girl from damascus.

Diskussion:
  • Bestätigung von Intensivierung der Beziehung zu einzelnen durch 
  • nicht omnipräsentes “was” im Netz als Chance
  • automatische Ergänzung der Vorstellung durch Rezipient*innen mit Default-Werten
  • Das “was” als Motivationsfaktor für die Netznutzung
  • Identitätsklau als Belegung der Positionen von marginalisierten Personen
  • Infragestellung des einfachen Identitätswechsels im Internet, das Internet vergisst nichts
  • Analog und Digitales eigentlich ziemlich gleich im Identitätsspiel, Meatspace täuscht nur mehr Essenz vor
  • Das Netz wird vielleicht “weißer” wahrgenommen als gedacht, da nicht konotiertes 
  • Im Analogen leben zeigen wir viel davon was wir sind. Über Kleidung und so
  • Es sind viele Informationen über uns zu sehen
  • Im Internet ist das nicht so, erstmal ist von uns nichts zu sehen
  • Es lassen sich auch falsche Fährten legen
  • Im Analogen sehen wir nicht was die Leute sind, sondern wir glauben etwas über die Personen zu wissen
  • Im Analogen können wir auch die Kleidung wechseln
  • Im Internet können wir auch bestimmte Sachen, wie Bildungsgrad ‘erkennen’
  • Authentizität ist im Internet unter Umständen ein eigener Wert
  • Auch in der analogen Welt können wir unterschiedliche Rollen einnehmen
  • Aus der Perspektive der politischen Ideengeschichte von Frauen ist es schon wichtig zu wissen, dass die Ideen von Frauen kommen
  • Es kann gut sein, dass im Internet eher default-Werte angenommen werden, also männlich weiß…
  • Zeigt sich im Internet vielleicht schon länger, dass das was und wer zusammenwächst
  • Frage: warum wird denn in analog und digital unterschieden, hat es vielleicht etwas damit zu tun, dass wir im Analogen einen Körper als Referenz haben??
  • Denken in der Kategorie “echt” in Frage stellen. Kontinuität im Echtheitsbegriff infrage zu stellend.
  • Ist denn mit dem Analogen wirkliche eine Echtheit, Authentizität verbunden??
  • Körper in’s Spiel zu bringen nicht verkehrt und schon konstituierend. Körper lassen sich nicht bis in’s kleinste dekonstruieren. Wir lebe in einer sozialen Welt und verschiedene Körper bekommen verschiedene Privilegien zugewiesen.
  • Die Körperlichkeit bleibt aber wichtig, weil sie Referenzpunkt für soziale Verhältnisse ist
  • Die Körperlichkeit kann nur egal sein, wenn die Privilegien dafür da sind

BDSM und Feminismus – Diskussionssession für FLT*

BDSM und Feminismus – ein unvereinbarer Widerspruch?

Wichtig vorweg: genau wie es nicht nur einen Feminismus gibt, gibt es
auch unterschiedliche Strömungen, Ansichten, etc. im BDSM – nie einheitlich

Wenn wir in dieser session von BDSM reden, reden wir immer von
konsensuellen Beziehungen!

Natürlich ist BDSM nicht losgelöst von der Gesellschaft

Nicht alle Menschen die BDSM tun, verorten sich in der Szene

Bemerkung dass es schade ist, dass außerhalb der BDSM-Szene kaum
Verwendung von safe-words gibt

Streitpunkte:
reproduzieren von Rollenbildern und Machtstrukturen
“Slutshaming”
Selbstbilder; Konfrontation von Selbstdefinition als Feministin und
BDSM’lerin
heißt Devotheit gleich Schwäche?
wie können Machtstrukturen “kontrolliert” werden?
Wie kann Konsens im BDSM hergestellt werden?

Safe word:
unterschiedliche Bedeutungen, Anwendungen
- safe word, das eine Gruppe von Menschen untereinander ausmachen,
unterbricht alles ohne Gegenfrage
-”red” als szeneübergreifendes safe word – funktioniert nicht immer so gut
- “no” als safe word außerhalb von BDSM-Szenen
- ggf. ein safe word finden, dass nicht gesprochen wird

wichtig für Konsens: nicht nur Verlassen auf das safe word, sondern auch
vorher besprechen, was ok ist beim Sex, was eher nicht, absprechen, ob
während des Spiels Dinge nur mit Nachfrage geschehen

Reproduktion von Rollenbildern und Machtstrukturen:
wie kommt man damit klar, dass beim Spiel ganz klar mit Machtstrukturen
gearbeitet wird?
In mainstream Gesellschaft befindet man sich in Machtstrukturen, die man
sich nicht ausgesucht hat, beim Spiel hingegen sucht man sich die
Machtstrukturen aus, kann sie auch beenden
Aber können da nicht auch gesellschaftliche Machtstrukturen, die sich in
den Körper eingeschrieben haben, wirken? Ohne dass Menschen das selbst
realisieren?
Sexistische Spiele? Bspw cis-Männer feminisieren als Strafe/ Degradierung.
Devotes Verhalten wird als weiblich gesehen (nicht unbedingt personell,
aber den Zuschreibungen nach), dominantes als männlich
Was ist Fantasie, kann man Fantasie als einen Raum sehen, der losgelöst
ist von dem Rest der gesellschaftlichen Strukturen?
Ist devot sein nicht viel machtvoller als jede marginalisierte Rolle in
der Gesellschaft? Hier werden Grenzen, Rollen von devoter Person festgelegt
Wieviel Bedeutung wird dem Ganzen eigentlich zugemessen? Ich will doch
nur spielen vs. die Kritik ist wahnsinnig interessant

Wichtig, sich immer zu reflektieren. Es kann sehr empowernd sein,
Klischees nachzuspielen, wenn man sich darüber bewusst ist. Aber es gibt
kaum einen Diskurs darüber
aber selbst wenn wir uns reflektieren – warum spielen wir diese
(geschlechterstereotypen) Rollen denn so gerne aus?

Antwort auf Nachfrage: häufig (und geschlechterunabhängig) gibt es viele
Menschen, die als devot anfangen und sich dann dominant ausprobieren –
mehr über sich selbst herausfinden?

Unterschiedlicher Umgang mit Selbstreflektion in heterosexueller und
queerer Szene

Empowerment / wie bist du zum Bloggen gekommen?

gendercamp 2012, 19.05.2012
Theaterraum im Sp@ghetti-Haus

Was sind die Hindernisse beim Bloggen? Anfangsschwierigkeiten?
Blitzlicht: persönlicher Stand bzgl. Bloggen

– Angst vor negativen Reaktionen
– Geschriebenes kann nicht rückgängig gemacht werden
– oder stößt auf Desinteresse
– Bewertung des eigenen Schreibens: “will das überhaupt jemand lesen?”
– Podcast als “Institution”
– Welche Themen können ins Netz gestellt werden?
– Name im Netz / Impressum
– Länge und Komplexität der eigenen Gedanken
– Angst, falsch verstanden zu werden
– sich Reaktionen sehr zu Herzen nehmen
– es gibt schon viel zu einem Thema, über das ich gerne schreiben
würde; “will jemand *noch ein* Blog zu Thema XYZ lesen?”
– nicht ausreichend Expertise haben
– Bloggen braucht Zeit
— Lösung: Tumblr, soup, ähnliche Plattformen
– Probleme, die eine_n berühren, in Zeichnungen / übers Zeichnen lösen
– “wenn ich einmal über was schreibe, bekomme ich so ein Profil” –
empfundene Erwartung, sich für ein Thema zu enscheiden und mit
Themenschwerpunkten verortet zu werden
— Lösung: parallele Identität(en) für verschiedene Themen, z.B.
eigener Twitteraccount nur für Blog mit Illustrationen

Strategien
– erst einmal bei bereits bestehenden Blogs mitmachen, z.B. Gastbeiträge
– Texte vor der Veröffentlichung von wohlwollenden Leuten gegenlesen lassen
– sich zusammentun und sich gegenseitig den Rücken stärken

Umgang mit negativem Feedback
– sich bei anderen Blogs Strategien abgucken
– es gibt auch tolles kritisches Feedback!
– Kommentare deaktivieren, Feedback nur über privaten Kontakt, evtl.
später Kommentarfunktion aktivieren
– auf dem eigenen Blog hat $mensch Hausrecht

Thematische Festlegung?
– einfach mal anfangen und schauen, wo es hinläuft
– mit einem Thema ganz bewußt wahrgenommen werden wollen

Pen & Paper-Rollenspiel – Erklärsession

Protokoll Pen & Paper-Rollenspiel

1. Blitzlicht: Wer hat Erfahrung, welche Vorstellungen?

Wie entsteht eine komplexe Welt aus Büchern und Würfeln?
Punkte, Würfeln –> wie wird eine Geschichte daraus.

2. Pen & Paper:

3-7 Personen an einem Tisch mit Papier, Stift und Würfeln
–> interaktives Geschichten erzählen

jede_r hat einen Charakter, der nach Templates oder auch frei kreiert
werden:

oft Charaktere nach Charakterstereotypen und Klassen erstellt:
Magier_in, Krieger_in, Dieb_in

Spielleiter_in (game master) gibt Situation vor auf die die
Mitspieler_innen reagieren… daraus ergeben sich neue Situationen

Wie sehr lenkt die Spielleiter_in die Geschichte?
–> Balanceakt und verschiedene Spielleiter_innen-Philosophien:
–> Anstöße zu Handlungssträngen, die von den Spieler_innen aufgegriffen
werden können, aber nicht müssen, diplomatisch anbringen, viel improvisieren

–> Immer ‘klassische’ Charakterklassenkonstellationen?
Bestimmte Charakterklassen haben in verschiedenen Settings bestimmte
Vorzüge, daher ist eine gute Mischung oft hilfreich

–> Spielleiter_in vs Spieler_innen: eher mit- oder eher gegeneinander?
meist kooperatives Spiel zum gemeinsamen Spaß haben

–> Sind Regelbücher notwendig?
Bücher als Grundlage für eine Welt und aufgrund hoher Komplexität zur
Referenz, immer modifizierbar, oft hilfreich, da frau sich nicht alles
selbst ausdenken muß.

3. Charaktere und Zahlen

Jeder Charakter verfügt über geistige und körperliche Eigenschaften
(Attribute) z.B Geschicklichkeit, Körperkraft, Intelligenz, Intuition
und Fertigkeiten (Skills) z.B. Pflanzenkunde, Bogenschießen, Schwimmen,
Spurenlesen, Fremdsprachen

Sowohl Attribute als auch Fertigkeiten werden durch Zahlenwerte ausgedrückt.

Sind Attr. und Skills veränderbar?
Meist ja, allerdings oft in unterschiedlicher Gewichtung: ergo einige
Eigenschaften sind einfacher steigerbar/veränderbar/’erlernbar’ als andere

–> Zum Steigern werden Erfahrungspunkte (EP) benutzt, die wiederum nach
bestandenen Abenteurern von der Spieleiter_in vergeben werden.

Wer legt die Steigerungskosten fest?
–> meist Regelsystem

4. Würfel und Charakterbögen anschauen

Auf Basis der Werte der Attr. und Skills werden Proben gewürfelt. Dabei
gibt es Würfelergebnisse die einen Erfolg oder auch Misserfolg bedeuten.
Diese werden wiederum durch Modifikatoren beeinflusst (Fliegen bei
Shadowrun: z.B. schönes Wetter & ausgeschlafen ist ‘einfacher’ also
keine Modifikatoren
vs.
nachts & langer Flug ist eher schwieriger ergo höhere Modifikatoren oder
nötige Anzahl an Erfolgen)

Beispiel : Addition der Würfel, wobei jeder Attr.- und Skillpunkt einen
Würfel bedeutet.

Wie sind die Grenzen für Erfolgswerte festgelegt:
–> vom Regelwert und Gruppenkonsens abhängig

Oft sind Fertigkeiten mit bestimmten Attributen verbunden.

Würfelergebnisse und Erfolge können auch miteinander verrechnet werden:
z.B. Schleichen-Erfolg vs. Wahrnehmungs-Erfolg?

Wie werden ‘geheime Informationen vermittelt?
Zettelchen, Ohren zuhalten?

Gibt es unterschiedliche Rollenspielwelten mit gleichen Regelsystemen
und vice versa?
Beides existiert, plus Spielleiter_innen können natürlich auch eigene
Adaptionen jedweder Art vornehmen oder alles neu erstellen.

5. Systeme und Settings, Beispiele:

Fantasy, Mittelalter-Fantasy, Cyberpunk, Star Trek, Star Wars, Horror, uvam.

Synthetische Kultur – Zivilisation selbstgemacht

Zeichensysteme können auch anders organisiert werden als in unserer
Kultur: z.B. dezimales Zahlensystem ist nur ein Zeichensystem, nicht in
der Natur festgemeißelt, von Menschen gemacht – kann anders organisiert
werden, z.B. hexadezimales Zahlensystem

z.B. Maßeinheiten: Planck Units = an physikalischen Konstanten
orientiert; sind aber nicht für Menschen gemacht, da die Zahlen sehr
groß werden (Planck length = 1*10^-35m)

z.B. Schriftsysteme
wurden u.a. im Auftrag entwickelt (koreanische Hangul-Schrift)

Beispiel: Lojban (lojibango = logische Sprache, open source-Abspaltung
von loglang) http://en.wikibooks.org/wiki/Lojban
Idee: eine Sprache, die möglichst viele Freiräume läßt und Menschen in
ihrem Denken nicht einschränkt
“was ein Mensch nicht sagen kann, kann er nicht denken”
per algorithmus aus den häufigst gesprochenen Sprachen zusammengesetzt

Interessante Konzepte von Lojban:
z.B. Attitudinals: “Ausgesprochene oder -geschriebene Smileys” =
Modifikatoren von anderen Worten, können auch kombiniert werden

Sätze bestehen aus einem Prädikat und einem Attribut;
Subjekt-Objekt-Beziehung ist aufgeweicht; keine klare Unterscheidung in
Substantiv, Verb oder Adjektiv

Geschlechter in Lojban
ca. 20 Wörter für Pronomen, aber Pr. sind nicht geschlechtlich

auf einen schon gesagten Satz kann zurückgegriffen werden;
aber auch umgekehrt: “was ich noch nennen werde, dafür gilt das und das”

5 Wortarten
Eigennamen sind Nichtstandard – die einzigen Wörter, die auf einem
Konsonanten enden (an auf Vokal endende Namen wird üblicherweise ein
Konsonant angehängt)

Beispiel: LISP
Klammern sind ein grundlegendes Konstrukt in LISP & das zentrale
syntaktische Hilfsmittel

Idee: Die Prinzipien der Definition von Funktionen auf die ganze Welt
anwenden? Ein Assoziationsapparat für die Welt?

Diskussion: Ist Logik dafür geeignet, z.B. über Emotionen zu reden?
z.b. hängt die Fähigkeit, Gefühle wahrzunehmen und zu artikulieren,
davon ab, ob einer_einem Begriffe dafür zur Verfügung stehen

z.B. aber auch Farbwahrnehmung oder räumliche Orientierung ist von
kulturell zur Verfügung stehenden Begrifflichkeiten bedingt – es gibt
z.B. Kulturen, die keine Begriffe von Links und Rechts haben und statt
dessen stets (absolute) Himmelsrichtungen verwenden

Spiritualität(en) – gender – queer

18.05.2012
Session „Spiritualität – gender – queer“

4 Teilnehmer_innen diskutierten frei über den Themenkomplex.
Angesprochen wurde u.a.:

Anknüpfung an die Diskussion von letztem Jahr
(http://gendercamp.posterous.com/religion-vs-spiritualitat-vs-genderqueer)
als religiös / spirituell aktiver Mensch kann ich in bestimmten
Zusammenhängen (z.B. linken Zusammenhängen) oft nicht “out” sein;
umgekehrt gibt es in religiösen / spirituellen Kontexten ebenfalls genug
kritikwürdige Phänomene, die Ausschlüsse bewirken.

Teilnehmer_innen stellen ihre Zugänge zum Thema dar; Lebensbereiche
werden häufig getrennt gehalten.

Peter Sweasey (1997) macht in Interviews sichtbar, daß es innerhalb
großer Kirchen, denen im allgemeinen konservative Positionen
zugeschrieben werden, auch ausgesprochen progressive, LGBTQ-freundliche
Positionen gibt. Die “Front” verläuft nicht zwischen religiösen Menschen
und LGBTQ, sondern (u.a.) quer durch die Religionsgemeinschaften.

Es wird der Eindruck geäußert, daß ein derartiges Buch nach 9/11 nicht
hätte geschrieben werden können, weil sich die Debatte über Religion
sehr auf fundamentalistische Strömungen konzentrierte und diese oft als
Gegner von Emanzipation dargestellt werden.

Teilweise liegt die Schwierigkeit, eine Differenzierung zwischen
Fundamentalismus und “einfach so spirituell aktiv sein” zu bewirken,
darin, daß in manchen Bereichen der Queer-Szene Rationalität absolut
gesetzt wird und eine transzendente Instanz jenseits des menschlichen
Willens vehement abgelehnt wird.
These: Fundamentalistische Haltungen und absolut gesetzte Rationalität
gleichen sich in Hinsicht auf Spiritualität, indem sie keinen Raum dafür
lassen.

Später wurde in leicht veränderter Besetzung über problematische
Geschlechterbilder im Neopaganismus diskutiert; diese
Geschlechterkonstruktionen werden durch Heranziehen von semi-rationalen
Autoritäten legitimiert. Oft halten diese Legitimationen einer
Quellenkritik jedoch nicht stand.

Literatur:
Luisa Muraro: Der Gott der Frauen, Frank & Timme 2009
Peter Sweasey: From Queer to Eternity (englisch), Cassell, 1997
Urs Mattmann: Coming In: Spiritualität für Schwule und Lesben
[problematisch], Kösel Verlag 2002