Perspektiven auf Klassismus

Teil 1: Input zu Klassismus

Was ist Klassismus? Diskriminierung auf Grund von Klassenzugehörigkeit

Was ist eine Klasse? In Zusammenhang mit Klassismus verschiedene Theorien sinnvoll denk- und nutzbar, eine Perspektive kann aber auch sein, gerade keinen festen “Klassenbegriff” (akademisch) vorzugeben, sondern stattdessen die Sicht auf Diskriminierungspraktiken und Strukturen in den Mittelpunkt zu stellen (die mehr umfassen als die ökonomische Dimension). Das Wissen um “den richtigen Klassenbegriff” wird damit nachrangig gegenüber der Wahrnehmung klassendiskriminierender Stereotype wie das der “arbeitsscheuen Obdachlosen die selber verantwortlich für ihre Lage sind” oder ähnliche weit verbreitete Vorurteile. Klasse ist ein soziales Konstrukt! Literaturvorschlag: Kemper, Andreas/Weinbach, Heike (2009): Klassismus. Eine Einführung. Unrast.

Sketchnotes zur Klassismus-Session auf dem #GenderCamp 2013

Wenig Auseinandersetzung bislang im deutschsprachigen Raum, in den USA populärer. Dort taucht die Begriffsverwendung Anfang der 1970er Jahre in den Texten der “Furies” auf, eine Gruppe lesbischer Feministinnen, die sich mit classism in sozialen Bewegungen auseinandersetzen.

Betonung des Zusammenhangs zu Sozialisation: Sozialisation beeinflusst Klassenzugehörigkeit, Status Kritik an sozialen Bewegung: Romantisierender Umgang oder sehr akademisch. Romantisierend: Um mit der eigenen sozialen Herkunft zu brechen, kleiden Leute sich “abgerissen” und erheben das zur subkulturellen Norm, während diejenigen mit Arbeiter*innenhintergrund diesen Zuständen vielleicht gerade entkommen wollen und das als beleidigend empfinden können. (Scheinbare) Klassenzugehörigkeit kann nicht von allen gewählt werden - Kritik an denen, die sich Klassen ‘aneignen’ denen andere entkommen möchten. “Wenn Du es Dir selber aussuchen kannst, betrifft es Dich nicht”

Theorietypische Merkmale von Klasse: Ökonomie, Bildungsstand, kulturelle Herkunft Mögliche Klassen: ‘Working Poor’, Unterschicht, Mittelschicht, Oberschicht, Herrschende, bildungsfern, akademisch Folgefrage: Wer definiert, was Bildung ist, was keine Bildung ist?

Klassistische Diskriminierung findet auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig statt:     – individuell: z.B., dass Leute mit dem “falschen” Auftreten oder Aussehen ausgeschlossen werden     – institutionell: Institutionen sind so organisiert, dass sie klassistische Hierarchien produzieren: Bildungssysteme, die bestimmte Abschlüsse und Abschlussnoten anhand bestimmter Auswahlkriterien hervorbringen, Arbeitsmarktsysteme, die Leiharbeiterinnen und Reinigungskräfte, CEOs und Manager strukturell hervorbringen     – kulturell: Leistungsideologien: “Jeder kann es schaffen”, “Ich komme auch mit so und so viel Geld im Monat locker aus (bezüglich Verschuldung)”, Zuschreibung von Verantwortlichkeiten an die Betroffenen, Stereotype über Klassen (die seien “aggressiv, ungebildet, dumm, faul…”)

Übungsmöglichkeiten aus dem Social Justice Training (es gibt social justice trainer*innen, die zB Klassismus-Workshops anbieten) - Stereotype reflektieren und aufarbeiten - Biografisch orientierte Übungen, die darauf Bezug nehmen, welche klassenassoziierten Privilegien eins hat (in Haus statt Mietwohnung aufgewachsen, Instrumente gelernt, bestimmte Sportarten betrieben, als Kind eigenes Zimmer gehabt uvm) - Erfahrungen/Beispiele klassistischer Diskriminierung: Wie/wann wurdest Du schonmal klassistisch diskriminiert? Hast Du schonmal klassistische Diskriminierung wahrgenommen? Hast Du selber schonmal klassistisch diskriminiert?

Entscheidung im Plenum zur Diskussion: Klassismus und Feminismus

Teil 2: Diskussion/Meinungen

  • Beispiel Basel: Räume für Obdachlose, die präsent für die Allgemeinbevölkerung sind, werden akzeptiert
  • Ist Klassenzuordnung oder diskriminierendes Verhalten das Problem?
  • Naturalisierung vs. Kulturalisierung als Strategien zur Diskriminierung
  • Verteilungsschere ‘zusammenführen’: Verteilung gleichmäßiger machen, Mittel/Kapital ‘besser’ verteilen
  • Strukturproblem: Verteilung der materiellen Güter oder Kulturproblem
  • Diskriminierende Zuschreibung der Unkultur: Unsichtbarmachung von Ressourcen klassistisch diskriminierter Menschen. 
  • Mit “Bildungszwang” würde Menschen evtl. etwas aufgezwungen, was sie gar nicht möchten
  • Menschen die sich mit Feminismus beschäftigen und an den entsprechenden Diskursen teilhaben, haben vielfach akademische/universitäre Hintergrüde - Privileg
  • Internet macht diese Teilhabe leichter für Menschen anderer Klassen, trotzdem sind dort auch eher Menschen akadem. Hintergründe
  • Zusammenhang zu Feminismus: Klassen/Gruppenzugehörigkeit schafft Wissensvorteile – zum Beispiel feministische Begriffs- und Theoriekenntnis
  • Literatur: Voß, Heinz Jürgen, Geschlecht : ‘Geschlechtermodelle auflösen’ als Theorie hilft nicht, wenn im Alltag weiter Geschlecht zugewiesen/konstruiert und diskriminiert wird
  • Was zählt als Bildung? Problem, wenn Bildungsabschlüsse als Bildung zählen, anderes Wissen/Erfahrungen nicht. Ähnlich: Intelligenztest.
  • Klassenzugehörigkeit ist nicht “frei wählbar”, zBsp Obdachlosigkeit, Bildungsstand
  • Beispiel für Klassismus in der Linken: ‘wir müssen die informieren, damit die aufbegehren [...] das Proletariat zur Revolution führen”
  • Paralellen zu anderen diskriminierenden Klassifikationen: Rassismus, Sexismus, ….
  • Möglichkeiten dagegen vorzugehen
  • Unterschiede zwischen körperlicher/visueller Diskriminierung und zBsp klassistischer Diskriminierung: Klasse kann theoretisch gewechselt werden
  • Praktisch ist der Wechsel der ökonomischen Klasse aber schwer möglich
  • verschiedene Diskriminierungsformen und -motivationen, je nachdem ob die Klasse angeblich freiwillig gewählt ist (zBsp ökonomisch vs. Hautfarbe)
  • Klassenperformance reflektieren
  • Achtsamkeit
  • Gendercamp für Menschen öffnen, die jetzt nicht da sind. Solipreis ist so ein Mittel.
  • Einleitungstexte in einfacher Sprache gestalten um sie vielen Menschen zugänglich zu machen
  • Rassismus, Demografie, Stichproben
  • Hinweis: Von -ismen betroffene Gruppen sind nicht homogen! Migration ist z.B. ein anderes Merkmal als Hautfarbe – differenzieren!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>